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Autor Colson Whitehead : Der doppelte Pulitzer

Colson Whitehead wurde 1969 in New York City geboren. Bild: Madeline Whitehead/Doubleday via AP

Mit seinem Roman „The Nickel Boys“ gewinnt Colson Whitehead den angesehenen amerikanischen Literaturpreis schon zum zweiten Mal. Das ist vorher nur drei anderen Autoren geglückt, darunter John Updike und William Faulkner.

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          Colson Whitehead entwickelt sich zu einem Pulitzer-Abonnenten. Nachdem der 1969 geborene amerikanische Autor vor drei Jahren schon mit „The Underground Railroad“, seiner großen Erzählung über die Vor-Bürgerkriegszeit und die Flucht von schwarzen Sklaven in den Norden der Vereinigten Staaten den Pulitzerpreis für den besten Roman gewonnen hat, ist er nun in derselben Sparte wieder ausgezeichnet worden.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Diesmal gewann Whitehead für „The Nickel Boys“, seinen 2019 erschienenen Roman über die Zustände in einer amerikanischen Besserungsanstalt für jugendliche Straftäter während der sechziger Jahre. Er porträtiert darin eine reale Institution in Florida, die für ihre meist schwarzen Insassen nichts besser gemacht hatte. Viele wurden während ihrer Haftzeit dort misshandelt und missbraucht.

          Auch in Deutschland populär

          Das Buch erregte großes Aufsehen sowohl in den Vereinigten Staaten, wo es als engagierte Stellungnahme gegen den unter der Präsidentschaft von Donald Trump wieder wachsenden Rassismus betrachtet wurde, als auch in Deutschland, wo es als Übersetzung sogar früher erschien als das englischsprachige Original – ein Zeichen für die große Beliebtheit, die Whitehead seit dem Erfolg von „The Underground Railroad“ beim hiesigen Publikum genießt. In Amerika gilt er nach dem letztjährigen Tod von Toni Morrison als der prominenteste schwarze Schriftsteller.

          Und er ist erst der vierte Autor in der mittlerweile mehr als hundertjährigen Geschichte des Pulitzerpreises, der die Auszeichnung für den besten Roman zweimal erhalten hat. Unter seinen Vorgängern, denen das gelang, waren John Updike und William Faulkner, also zwei der berühmtesten amerikanischen Schriftsteller überhaupt, während der erste Pulitzer-Doppelsieger, Booth Tarkington, heute nur noch Spezialisten bekannt ist – und dadurch, dass einer seiner beiden Preisträger-Romane, der 1918 publizierte „The Magnificent Ambersons“, ein Vierteljahrhundert später durch Orson Welles verfilmt worden ist.

          Aus Whiteheads „The Underground Railroad“ soll eine Fernsehserie werden, die Barry Jenkins, der Regisseur des oscarprämierten Spielfilms „Moonlight“, dreht. Aber weder dieses Buch noch „The Nickel Boys“ werden solchen Ruhm aus zweiter Hand brauchen, um als immens wichtige Romane der Gegenwart anerkannt zu werden.

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