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„Harry Potter“-Fortsetzung : Ein Zauberer als Wiedergänger

Für immer an Harry Potter gebunden: J.K. Rowling im Empire State Building Bild: AP

Joanne K. Rowling dreht eine weitere Runde im „Harry Potter“-Kosmos, obwohl sie der Reihe bereits abgeschworen hatte. Die Fans freuen sich – aber warum macht die Autorin das eigentlich?

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          Die Geschichte um Harry Potter und Hogwarts sei jetzt einfach auserzählt, sagte Rowling, als sie die Romanreihe nach sieben Bänden zum Abschluss brachte. Das ist immerhin neun Jahre her, in denen die Britin sich anderen Projekten widmete. Mit Erfolg. Aber vielleicht nicht so, wie sie sich das vorgestellt hatte.

          J.K. Rowling wollte sich beweisen. Sie wollte zeigen, dass sie eine gute Schriftstellerin ist, unabhängig von ihrem bekannten Namen. Das war einerseits ein hehres Anliegen, andererseits von erhabener Überflüssigkeit: Schließlich kam ihr Erfolg schon im ersten Anlauf aus dem Nichts und galt nur ihrer schriftstellerischen Kraft und nicht etwa ihrer – damals nicht existenten – Prominenz. Auch bewegte sie sich schon während der Potter-Reihe von Jugendromanen immer weiter weg zu spannenden Geschichten für Erwachsene. Anschließend veröffentlichte sie den gesellschaftskritischen Roman „Ein plötzlicher Todesfall“, der mit Potter nichts zu tun hatte.

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          Trotzdem bestand sie später darauf, ihr Kriminalroman „Der Ruf des Kuckucks“ müsse unter Pseudonym erscheinen. Der Erfolg war überschaubar, bis ihre Autorenschaft doch bekannt wurde. Anschließend feierten sowohl dieser als auch der zweite Band über den Privatdetektiv Cormoran Strike, „Der Seidenspinner“, durchaus Erfolge. Im März erscheint der dritte Teil der Reihe unter dem Titel „Die Ernte des Bösen“.

          Cormoran Strike sollte Rowling von Harry Potter befreien. Das ist missglückt. Erst schrieb sie eine Reihe von Kurzgeschichten zum Potter-Kosmos, dann ein Theaterstück, schließlich auch noch das Drehbuch für ein dreiteiliges Prequel mit Eddie Redmayne in der Hauptrolle, das im November ins Kino kommen soll. Es geht darin um Newt Scamander, den Autor des Lehrbuches „Fantastic Beasts And Where To Find Them“ – mit Harry Potter als Figur hat der Film also nichts zu tun. Mit dem Theaterstück und dem daraus hervorgehenden neuen Roman verhält es sich ganz anders: Beide zeigen Harry Potter als erwachsenen Mann und Vater.

          Nicht einmal Cher hatte so viele Abschiedstourneen wie dieser Zauberer. Rowling kommt nicht von Harry Potter los. Dafür gibt es zwei plausible Erklärungen: Erstens, sie macht das den Fans zuliebe. Das ist bei der Britin durchaus vorstellbar. Rowling hat ihre Romanwelt nie als ihr Eigentum betrachtet, sondern den Wünschen der Fans stets zugehört. Nach dem letzten Potter-Band entschuldigte sie sich dafür, dass Ron und nicht Harry am Ende Hermine heiratet. Sie könne verstehen, dass die Leser damit nicht einverstanden seien, und es sei wahrscheinlich nicht einmal richtig gewesen, aber aus persönlichen Gründen habe sie die Geschichte so enden lassen müssen.

          Die zweite mögliche Erklärung lautet: Rowling hat in den letzten neun Jahren nichts gefunden, was sie so zufrieden macht wie Harry Potter. Auch nicht Cormoran Strike. Es ist das Cher-Phänomen: Nach der Abschiedstournee kommt man nach Hause, sucht sich eine neue Beschäftigung, sagen wir mal, Orchideenzucht, und will aber doch permanent nur zurück auf die Bühne, während man im Gewächshaus mit einem Pinsel Blüten bestäubt. Also vergisst man schnell, dass Schluss sein sollte, und geht doch noch mal auf Tournee. Danach passiert dasselbe, dann nochmal – aber jedes Mal wird es leichter, seine Vorsätze über Bord zu werfen und auf die Bühne zurückzukehren.

          Wenn das bei Rowling genau so funktioniert, können die Fans sich auf mindestens sechs weitere Bände über den erwachsenen Harry Potter freuen. Anschließend vielleicht noch eine Romanreihe über Potter als Greis, woran sich ein Spin-off anschließen könnte über seine Kinder und Kindeskinder. Denn in Wahrheit ist die Geschichte erst dann wirklich auserzählt, wenn Rowling den Stift fallen lässt.

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