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Star-Autorin Ottessa Moshfegh : Einfach etwas anderes wünschen!

Schickt ihre Figuren in den Kampf: Ottessa Moshfegh. Bild: Krystal Griffiths

Wie man sich sein Leben schönt: Die amerikanische Star-Autorin Ottessa Moshfegh schildert in ihrem Erzählungsband Menschen, die aus dem Gleis geraten sind.

          3 Min.

          Eigentlich kann man die junge Lehrerin aus New York nur beglückwünschen. „Mir geht’s so gut wie nie“, sagt sie oder „Mein Kopf heilt. Alles wird gut“ oder „Alles gut hier. Wie üblich bessere ich mich“. Sie ist die Erzählerin der ersten Geschichte in Ottessa Moshfeghs Band „Heimweh nach einer anderen Welt“, der jetzt auf Deutsch erschienen ist, und fasste man all das zusammen, was sie über ihren Zustand – den jetzigen und den künftigen – so sagt, dann wäre das eine Glückssteigerung auf hohem Niveau.

          Tilman Spreckelsen

          Redakteur im Feuilleton.

          Betrachtet man das, was sie jenseits der Bewertung über ihr Dasein berichtet, dann liegt darin eine Provokation. Sie unterrichtet Schüler, die ihrem Unterricht weder folgen können noch wollen, und inwieweit sie eine Lehrerin respektieren, die in einem Schlafsack im Klassenraum übernachtet und morgens noch den reichlichen Alkohol des Vorabends ausdünstet, wenn die Schüler den Raum betreten, bleibt ungewiss. Um nicht als pädagogische Niete aufzufliegen, fälscht sie die Prüfungsergebnisse ihrer Schüler, und ihre gelegentlichen Liebesabenteuer scheinen jedenfalls nichts zu dem Glückszustand beizutragen, in dem sie sich zu befinden behauptet. Einmal bittet sie ihr geschiedener Ehemann, der mit seiner neuen Frau weggezogen ist und mit dem sie, wenn sie betrunken ist, lange Telefonate führt, um ein Treffen zum Abendessen. Als sie ihm dann gegenübersitzt, eröffnet er ihr, dass sie ihn nicht mehr anrufen soll. Erwartet hat sie das nicht, aber sie macht das Beste daraus: Sie trinkt auf seine Kosten, soviel es geht, und handelt zugleich eine Summe aus, die er ihr dafür zahlen soll, dass sie sich nicht mehr meldet.

          Ein alter Mann, der seine Nachbarin auf abstoßende Weise umgarnt; ein Hochstapler, der am Ende seine Habe in einem Hausbrand verliert; ein Immobilienmakler, der Vater werden soll und sich mit Drogen vollpumpt; zwei Musiker, die in einem Probenraum eingeschlossen sind und sich vor Langeweile fast aus dem Fenster stürzen, ein junges Mädchen, das mit einem Mann zusammen ist, den sie nicht leiden kann, der aber in einer Gegend eine Hausmeisterwohnung hat, die sie mag – die Protagonisten, meist sind es die Erzähler dieser Geschichten, führen kaum je ein Leben, um das man sie beneiden würde. Mehr noch, sie stecken in Situationen fest, die ausweglos erscheinen, wenigstens im Sinne einer nahen Wendung ins Bessere.

          Etwa der Achtzehnjährige, der Schauspieler werden möchte und nun in der Villa einer alternden Schauspielerin in einem winzigen Zimmer zur Miete wohnt. Am Pool, immerhin, darf er liegen, aber in dem Bassin ist kein Wasser, nur hin und wieder der Kadaver eines Eichhörnchens, das hineingefallen war und nicht mehr herausfand. Manchmal wird er zum Vorsprechen eingeladen, viel wird nicht daraus, so geht es immer weiter. Auffällig viele Geschichten in diesem Band finden ein Ende, das nicht durch eine abrupte Wendung des Handlungsbogens motiviert wird. Die Autorin setzt ihre Pointen gekonnt, aber nicht durch einschneidende Ereignisse.

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