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Zum Tod von Walter Kaufmann : Sein Leben liest sich wie ein Roman

Walter Kaufmann, hier im Jahr 2010 in Born am Darss Bild: Daniel Pilar

Immer unbeugsam und unbequem: In der Biographie und Literatur des Schriftstellers Walter Kaufmann spiegeln sich die Schrecken deutscher Geschichte. Nun ist er mit 97 Jahren gestorben.

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          „Welch ein Leben!“ lautet der Titel eines gerade fertiggestellten Dokumentarfilms über den Schriftsteller Walter Kaufmann. 1924 in Berlin als uneheliches Kind einer jüdischen Schneiderin geboren, fand er in Duisburg Adoptiveltern, ebenfalls Juden. Bevor sie deportiert und ermordet wurden, hatten sie ihren Sohn noch mit einem Kindertransport nach England geschickt, wo er 1939 als Deutscher interniert und seinerseits deportiert wurde: nach Australien. Um dem dortigen Lager zu entkommen, meldete sich Kaufmann zum Militärdienst, nach dem Sieg über Deutschland wurde er australischer Staatsbürger und Schriftsteller; sein Debütroman „Voices in the Storm“ erschien 1953. Doch da er vom Schreiben nicht leben konnte, arbeitete Kaufmann als Fotograf, Schlachter, Seemann. 1955 kehrte er nach Deutschland zurück, zunächst nach Duisburg, aber aus tiefer Enttäuschung über die Gleichgültigkeit der Menschen angesichts der nationalsozialistischen Verbrechen ging er schon bald in die DDR. Dort bespitzelte ihn niemand Geringere als die junge Kollegin Christa Wolf, aber Kaufmann war die antifaschistische Haltung des Staates wichtiger als persönliche Repression, zumal ihn der australische Pass schützte.

          „Im Fluss der Zeit“

          Andreas Platthaus
          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Lange Zeit schrieb er weiter auf Englisch, seine Romane und Erzählungen wurden seit 1957 in dichter Folge übersetzt. 1984 erzählte er in „Flucht“ von einem Oppositionellen, der in den Westen entkommen will – an das heikle Thema wagte sich nur der Mitteldeutsche Verlag aus Halle, der sich mehr erlauben konnte als die Ost-Berliner Häuser. Ein Jahr danach wurde Kaufmann Generalsekretär des ostdeutschen PEN und blieb es über die Wende hinaus bis 1993. Auch danach war Kaufmann rastlos aktiv; aus dem mehr als ein Dutzend Bücher umfassenden Spätwerk ragt der Roman „Im Fluss der Zeit“ hervor, der die Erlebnisse des Verfassers Revue passieren ließ. Zuletzt erschienen in der auf Exilantenliteratur spezialisierten Edition Memoria seine gesammelten Erfahrungsberichte „Gibt es Dich noch – Enrico Spoon?“ (F.A.Z. vom 7. Juli 2019). Walter Kaufmann gibt es nun leider nicht mehr. Bevor der Dokumentarfilm über ihn in die Kinos gelangen konnte, ist er am Donnerstag in Berlin gestorben, 97 Jahre alt und ein Leben lang unbeugsam und unbequem.

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