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Märchensammler aus Hanau : Der unbekannte Bruder Grimm

  • -Aktualisiert am

Ferdinand Grimm, gezeichnet 1808 von seinem Bruder Ludwig Emil. Bild: Historisches Museum Hanau Schloss Philippsruhe / Hanauer Geschichtsverein 1844 e. V.

Das schwarze Schaf der Familie: Ferdinand Grimm war ein Märchensammler von Gnaden, stand aber stets im Schatten seiner Brüder Jacob und Wilhelm. Zeit für eine Wiederentdeckung.

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          Am 19. November 1835 erschien in der „Mitternachtszeitung für gebildete Stände“ die erste Folge einer Erzählung mit dem Titel „Tante Henriette“. Für die Leser des damals beliebten Blattes war es leicht, die Geschichte als Parodie auf den Haushalt von Jacob und Wilhelm Grimm zu erkennen. Hinter Tante Henriette verbarg sich die Ehefrau von Wilhelm, Dorothea „Dortchen“ (Wild), die mit zweitem Vornamen Henriette hieß. Der Autor der Satire, deren Abdruck Heiligabend 1835 endete, war kein wissenschaftlicher Konkurrent von Jacob und Wilhelm Grimm, sondern ihr eigener Bruder Ferdinand.

          Hinter dem übergroßen Denkmal der „Brüder Grimm“ ist er fast ganz verschwunden – trotz einer Ausstellung in Braunschweig 1988 und den Bemühungen von Heinz Rölleke, der 1979 zusammen mit Gerd Hoffmann von Ferdinand gesammelte Sagen aus dem Nachlass herausgegeben hatte. Die „Brüder Grimm“, das sind überall auf der Welt nur Jacob (1785 bis 1863) und Wilhelm (1786 bis 1859). Sie selbst haben sich als symbiotisches Arbeits- und Lebenspaar verstanden, was durch eine immense Fülle an Briefen und Büchern bezeugt wird. Der Malerbruder Ludwig Emil (1790 bis 1863) ist nicht unbekannt, er läuft sozusagen außer Konkurrenz mit, weil er kein Gelehrter, kein Märchen- und Sagensammler, keine Berühmtheit war. Die Brüder Grimm hatten aber noch zwei weitere Brüder; sie hießen Carl (1787 bis 1852) und Ferdinand (1788 bis 1845), Charlotte, genannt Lotte (1793 bis 1833), die einzige Schwester, nicht zu vergessen.

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