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Nobelpreis für Bob Dylan : Eine schöne Überraschung

Seit vielen Jahren steht Bob Dylan bei Wetten um den Literaturnobelpreis ganz oben. Nun hat sich die Jury endlich durchringen können. Bild: Picture-Alliance

Mit Bob Dylan hat zum ersten Mal ein Künstler den Literaturnobelpreis erhalten, der nicht primär als Schriftsteller gilt. Der Musiker galt schon lange als Kandidat, endlich hat er den Preis erhalten.

          Die Verleihung des diesjährigen Literaturnobelpreises an Bob Dylan ist kein Signal, dass es keine geeigneten klassischen Schriftsteller für die Auszeichnung gegeben hätte. Es ist eine Ehrung, die neben der Anerkennung eines beeindruckenden Gesamtwerks an Songtexten auch honoriert, dass die Wirkung dieser Dichtung eine ist, die weit über reine Musikfreunde hinausgeht, die vielmehr so viel Einfluss auf die Literatur gewonnen hat, dass man allemal vertreten kann, sie mit dem weltweit angesehensten Preis für Schriftsteller auszuzeichnen. Mit Dylan wurde ja nicht etwa ein dezidiert politischer Künstler gewählt, wie es noch im Vorjahr im Fall der weißrussischen Schriftstellerin Swetlana Alexejewitsch gewesen war, sondern in der Tat ein genuiner Literat, der seine Texte aber in Musik kleidet. Das gab es in der Geschichte des Literaturnobelpreises noch nie.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Der 1941 geborene Amerikaner hat ein denkbar umfangreiches Werk zu bieten. Seit 1962 nimmt er Platten auf, und bis heute ist die Kette seiner Veröffentlichungen ebenso wenig abreisen wie seine „Never Ending Tour“, die ihn jährlich zu Konzerten um die ganze Welt führt. Schon früh erschienen seine Songtexte auch als Bücher.

          Die Entscheidung der Schwedischen Akademie für Bob Dylan  ist also eine durchaus gute, auch wenn sie literarische Traditionalisten verstören mag – musikalische wohl kaum. Mit Dylan ist fünf Jahre nach Tomas Tranströmer auch wieder ein Lyriker ausgezeichnet worden. Der einzige andere diesmal hochgewettete Dichter, der in Frankreich lebende Syrer Adonis, der als Symbol für die arabische Welt hätte gelten können, ist für den Nobelpreis politisch zu umstritten gewesen.

          Dylan ist in seinem Fach unumstritten, und er hat eben überall zahlreiche Bewunderer unter Autoren – seine Lieder sind ein globale Phänomen. Ein unpolitischer Autor ist er keineswegs, aber er will nicht die Welt verbessern, sondern immer wieder die eigenen Songs, und damit hat er die Literatur immens bereichert. Schön, dass das nun die höchste Anerkennung in diesem Fach findet. Einen Musiknobelpreis haben wir ja nicht.

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