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Literatur : Nobelpreisträger Seamus Heaney gestorben

  • Aktualisiert am

Seamus Heaney, 1939 bis 2013 Bild: AFP

Der irische Schriftsteller Seamus Heaney, der 1995 mit dem Literatur-Nobelpreis ausgezeichnet wurde, ist an diesem Freitag in Dublin gestorben. Heaney gilt als einer der größten Lyriker unserer Zeit.

          Der Literatur-Nobelpreisträger Seamus Heaney ist tot. Das bestätigte das irische Kulturministerium am Freitag. Er war 1995 mit dem Literatur-Nobelpreis ausgezeichnet worden. Heaney wurde 74 Jahre alt.

          Der Lyriker, Essayist und Übersetzer Heaney war 1995 mit dem Literatur-Nobelpreis ausgezeichnet worden - nach Angaben der Jury für die „lyrische Schönheit und ethische Tiefgründigkeit“ seiner Literatur, „die alltägliche Wunder und eine lebendige Vergangenheit“ verarbeite. Er war nach William Yeats (1923) und Samuel Beckett (1969) der dritte irische Literatur-Nobelpreisträger.

          Heaney war am 13. April 1939 in der Grafschaft Derry westlich der nordirischen Hauptstadt Belfast als ältestes von neun Kindern einer katholischen Familie zur Welt gekommen. Bereits als Student hatte er begonnen, Gedichte zu veröffentlichen.

          „Ich denke schon“, sagte Heaney 2011 in einem in der F.A.Z. veröffentlichten Interview, „dass die Lyrik in einer Welt, in der der Einzelne von morgens bis abends, sei es an seinem Mobiltelefon oder im Internet, einer Vielzahl von oft nicht sehr eindringlichen linguistischen Begegnungen ausgesetzt ist, ein guter Kompass sein kann.“

          Zu seinen bekannteren Gedichtbänden zählt „Die Wasserwaage“, eine Auseinandersetzung mit dem Nordirlandkonflikt. Heaney sei ein großartiger Botschafter für die Literatur, aber auch für Irland gewesen, sagte der irische Kulturminister Jimmy Deenihan.

          Seamus Heaney: Song / Lied

          A rowan like a lipsticked girl.
          Between the by-road and the main road
          Alder trees at a wet and dripping distance
          Stand off among the rushes.

          There are the mud-flowers of dialect
          And the immertelles of perfect pitch
          And that moment when the bird sings very close
          To the music of what happens.

          * * *

          Eine Eberesche wie ein Mädchen mit bemalten Lippen.
          Zwischen dem Nebenweg und dem Hauptweg
          Stehen Erlen in einer feuchten und tropfenden
          Entfernung inmitten der Binsen.

          Es gibt die Schlammblüten der Mundart
          Und die Immortellen des absoluten Gehörs
          Und diesen Augenblick, wenn der Vogel ganz dicht
          An der Musik des Geschehenden singt.

          Abgedruckt am 1. September 2011 in der F.A.Z., aus dem Englischen übersetzt von Rainer G. Schmidt

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