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Schriftsteller auf Busreise : Grausame Witze für Europa

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Im Garten vor dem Bauernhaus stehen die Autoren am Abend auf frisch gemähtem Gras, lesen auf Deutsch, Griechisch und Finnisch, das Publikum hat Ausdrucke in slowenischer Übersetzung auf dem Schoß. Manche schließen beim Zuhören die Augen. Sie tauschen das letzte Glas Feigenmarmelade aus der Vorjahresernte, einen Berg roter Johannisbeeren, einen Apfel aus dem Obstgarten gegen ein Gedicht. Schönstes, hellstes Utopie-Europa.

Grenzkontrolle

Später aber, der Mond hängt tief wie eine Leuchtkugel über den sommerlichen Feldern, erzählen die Autoren einander Geschichten aus ihren Heimatländern, die von der finnisch-nationalistischen Straßenpolizei Soldiers of Odin und von Hakenkreuzen auf kroatischen Fußballfeldern handeln. Auch Kramberger erinnert sich an „viele grausame Gespräche“ aus dem vergangenen Sommer, als Tausende Flüchtlinge auf dem Weg nach Österreich die Gegend passierten. Dann sagt sie das vertraute, trotzdem flüchtige Wort: Angst. „Wir haben jetzt viele Waffen hier“, Waffen aus Österreich, wo sie leichter zu bekommen seien, auch die Waffenscheine.

Viele Einheimische kennen den Weg gut, fahren regelmäßig ins Nachbarland, um für Geld Blut zu spenden. Ungefähr 25.000 Menschen aus der Untersteiermark und den umliegenden Grenzregionen pendeln jeden Tag, sind jeden Tag die Fremden. Morgens im Berufsverkehr, hat ein Bekannter Kramberger erzählt, scheine es manchmal, als verlangsamten österreichische Wagen absichtlich, um Fahrer mit slowenischen Nummernschildern zu spät zur Arbeit kommen zu lassen. „Aber leider verbünden sich Schwache und Schwache nur selten“, sagt Kramberger.

Als der Bus am nächsten Morgen nach Serbien aufbricht, sieht es für eine Sekunde so aus, als würden die wild durcheinander wachsenden Getreidehalme sich zu feinen Straßen ordnen. Der Bus beschleunigt, und sie verschwimmen zu einem undeutlichen goldgrünen Schweif. Einige Stunden später an der kroatisch-serbischen Grenze, einem Ende der Europäischen Union, liegt ein Polizist unter einem schwarzen BMW wie ein besonders engagierter Mechaniker. Die Motorhaube ist krokodilsmaulartig geöffnet, erst drei, dann vier durchtrainierte Kollegen beugen sich über den Kofferraum. Der Fahrer, ein älterer Mann mit verwuschelten grauen Haaren, steht stumm und mit müden Augen daneben. Ein Beamter betritt mit versteinerter Miene den Bus und spricht, wenn überhaupt, nur einsilbig.

„Wir haben uns darauf gefreut, Europa zu islamisieren“

Es ist unklar, wann es weitergeht. Durch die Busscheibe sieht man einen gepflegten Mann im rosa Poloshirt mit Formularen unterm Arm und dem für Behördengänge reservierten geschäftig-hilflosen Blick irgendetwas suchen. Auf der Autobahnraststätte gleich hinter der Grenze wird man ihn sofort wiedererkennen, sich freuen, ihn zu sehen, als hätte man etwas zusammen erlebt. Alles wirkt ein bisschen wie Kafkas „Prozess“, open air, nur mit dem Unterschied, dass sich die vermeintlichen Ordnungshüter im Roman nicht nur als bedrohliche, sondern auch als ausgesprochen komische Figuren erweisen, die Josef K. im Bett überraschen, ihm das Frühstück wegessen und mit ihren dicken Bäuchen „förmlich freundschaftlich“ an ihn stoßen. Kafka, ein Experte für die faschistoide Seite des Menschen, soll beim Vorlesen dieses ersten, von der Verhaftung erzählenden Kapitels laut gelacht haben.

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