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Schriftstellerin Lisa Halliday : Das ganze Buch war angsteinflößend!

Amerikanerin in Mailand: Lisa Halliday sieht ihr Heimatland in einer schwierigen Lage, hat aber die Hoffnung noch nicht verloren. Bild: F. Mantovani/Opale/Leemage/laif

Ihr erster Roman ist gerade auf Deutsch erschienen. „Männern gesteht man mehr Freiheiten zu“, sagt Lisa Halliday im Gespräch darüber, aber sie selbst hat sich beim Schreiben auch nicht einhegen lassen.

          Frau Halliday, hat Philip Roth Ihren Roman „Asymmetrie“ noch gelesen?

          Karen Krüger

          Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Ja, ich hatte ihm das Manuskript geschickt. Er mochte es. Wer sein Werk kennt, weiß, dass er es liebte, mit autobiographischen Anteilen zu spielen.

          Der Roman gliedert sich in drei Teile. Der erste erzählt von der Liebesaffäre zwischen Alice, einer jungen Lektoratsassistentin, und einem bekannten Schriftsteller namens Ezra Blazer. Blazer hat eine große Ähnlichkeit mit Phillip Roth. Wie Roth ist er ein preisgekrönter New Yorker Schriftsteller, der immer wieder als heißer Kandidat für den Literaturnobelpreis gehandelt wird; wie Roth liebt Blazer Baseball, ist ein Kontrollfreak und hat ein chronisches Rückenleiden sowie einen beißenden Humor. Als Sie mit Mitte zwanzig bei einer Literaturagentur in New York arbeiteten, hatten Sie eine Liebesaffäre mit Roth und blieben bis zu seinem Tod im vergangenen Mai in tiefer Freundschaft mit ihm verbunden. Dennoch betonen Sie immer wieder, der Roman sei nicht autobiographisch. Warum?

          Es wäre unehrlich, zu behaupten, dass das, was Alice erlebt, auch ich genau so erlebt habe. Manches habe ich so erlebt, anderes nicht. Es stimmt, Blazer trägt ganz klar Züge von Philip Roth. Doch vieles, was er sagt und tut, hat Philip niemals gesagt oder getan. Es steckt viel Freiheit und Phantasie darin. Es ist ein Roman. Hätte ich einen autobiographischen Bericht über mein Leben als Mittzwanzigerin in New York schreiben wollen, wäre etwas ganz anderes dabei herausgekommen. „Asymmetrie“ ist nur in dem Sinn autobiographisch, wie es das meiste fiktionale Schreiben ist: Man kann nur auf der Grundlage des eigenen Wissens und eigener Erfahrungen schreiben. Unsere Romanze war nur eine Inspiration für das Buch.

          Stört es Sie, wenn jetzt dennoch immer wieder über Ihr Verhältnis zu Roth gesprochen wird?

          Manchmal bin ich überrascht, wie sehr die Romanze in den Mittelpunkt gerückt wird. Unsere spätere Freundschaft war viel bedeutender. Aber ich möchte nicht undankbar wirken. Ich habe ja selbst entschieden, das Buch so zu schreiben, wie es jetzt ist. Und ich würde lügen, wenn ich behauptete, ich hätte mir nicht vorstellen können, dass genau das passiert. Wahrscheinlich würde es mich stören, wenn die Kritiken weniger gut wären. Zum Glück sagen jedoch die meisten: Es geht um Philip Roth, aber, hey, das Buch ist richtig gut!

          Einige haben Ihren Roman in die Nähe der Sexismus-Debatte gerückt: Die Beziehung zwischen Alice und Ezra sei ein typischer Fall von #MeToo.

          Ich habe den Roman 2016 fertiggestellt, #MeToo kam später. Ich finde nicht, dass Alice in irgendeiner Form ausgebeutet wird oder die Unterlegene ist. Zunächst scheint es vielleicht so, als gäbe es ein Machtgefälle zugunsten von Ezra Blazer. Aber das wandelt sich. Ezra ist alt und krank, Alice ist gesund und hat die Zukunft noch vor sich. Sie hat einen guten Job. Sie trifft ihre eigenen Entscheidungen, ist eine kraftvolle Person. Sie möchte diese Beziehung. Einfach zu behaupten, eine junge Frau könne nicht wissen, was sie tut, ist meiner Meinung nach auch eine Form von Sexismus. Im Buch fragt Ezra Alice an einer Stelle: „Kommt dir manchmal der Gedanke, dass das hier nicht gut für dich ist?“ Sie antwortet: „Im Gegenteil. Ich finde, es ist sogar sehr gut für mich.“

          Es ist nicht ungewöhnlich, dass ältere Schriftsteller Affären mit jungen oder sehr jungen Frauen haben und darüber schreiben.

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