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Autorin und Übersetzerin : Mirjam Pressler ist gestorben

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Mirjam Pressler, geboren am 18. Juni 1940 in Darmstadt, gestorben am 16. Januar 2019 in Landshut, im Sommer 2018 in München Bild: dpa

Kinder in Not und die Shoa waren die großen Themen ihrer eigenen Bücher, Amos Oz und Zeruya Shalev hat sie übertragen: Im Alter von 78 Jahren ist die Schriftstellerin und Übersetzerin Mirjam Pressler gestorben.

          Mirjam Pressler ist tot. Wie die Verlagsgruppe Beltz bekanntgab, starb die Schriftstellerin und Übersetzerin an diesem Mittwoch im Alter von 78 Jahren in Landshut.

          Mirjam Pressler wurde mit dem Mädchennamen Gunkel am 18. Juni 1940 in Darmstadt als uneheliches Kind einer jüdischen Frau geboren und wuchs bei nichtjüdischen Pflegeeltern in einem kleinen Dorf, später wegen der Gefahr der Verwahrlosung in einem Heim auf. Ihre Kindheit war geprägt von Prügelstrafen und geistiger Enge.

          Mit elf Jahren kam sie in ein Internat. Sie studierte sechs Semester lang an der Akademie für Bildende Künste in Frankfurt am Main. 1962 arbeitete sie eine Zeit lang in einem Kibbuz in Israel. 1964 heiratete sie einen Israeli und bekam zwischen 1966 und 1969 drei Töchter. Nach der Trennung von ihrem Mann im Jahre 1970 kehrte sie nach München zurück und betrieb dort bis 1979 einen Jeansladen. Danach nahm sie eine Halbtagsstelle als Bürokraft an. Nebenbei widmete sie sich dem Schreiben, zu dem sie durch wirtschaftliche Not einerseits und die Begeisterung für moderne Jugendbücher andererseits gefunden hatte.

          Gleich für ihr Erstlingswerk, den Roman „Bitterschokolade“ aus dem Jahr 1980, erhielt Mirjam Pressler den Oldenburger Kinder- und Jugendbuchpreis. Die Geschichte um die dicke Eva, die ihren Kummer in sich hineinfrisst, erreichte von all ihren Büchern mit 400.000 Exemplaren zudem die höchste Auflage. Mehr als fünfzig Bücher und mehr als vierhundert übersetzte Titel machen Mirjam Pressler zu einer der erfolgreichsten deutschen Kinderbuchautorinnen. Zentrale Themen der meisten ihrer Romane sind eine harte Kindheit oder die Erinnerung an die Shoa. „Die Jugendlichen sind erstaunlich interessiert an der NS-Zeit“, berichtete die Autorin selbst in einem Interview von ihren zahlreichen Schullesungen. „Diejenigen, die sagen, es müsse doch endlich mal Schluss sein mit dem Thema, sind eher die Älteren.“

          Wenn das Glück kommt

          Neben eigenen Büchern etablierte sich Pressler als vielfach ausgezeichnete Übersetzerin, etwa von Büchern Bart Moeyarts, Julia Donaldsons, Zeruya Shalevs oder Amos Oz'. Großen Respekt erwarb sie sich mit ihrem Einsatz für Literatur über das Dritte Reich und Israel. Einige Jahre war sie im Alibaba Verlag Herausgeberin einer Reihe mit Kinderbüchern israelischer Autoren. Für ihre „Verdienste an der deutschen Sprache“ erhielt sie 2001 die Carl-Zuckmayer-Medaille, für ihr Gesamtwerk als Autorin und Übersetzerin den Deutschen Bücherpreis, für ihr Gesamtwerk als Übersetzerin den Sonderpreis des Deutschen Jugendliteraturpreises.

          Nach den Worten ihres langjährigen Lektors Frank Griesheimer gehe es in Mirjam Presslers frühen Texten „nicht in erster Linie um Problemlösungen, sondern darum, Kindern und Jugendlichen, die von familiären, sozialen oder existenziellen Nöten bedrängt und schier erdrückt werden, eine Sprache für ihre geheimsten Gefühle zu geben und diese dadurch der Selbstreflexion zugänglich zu machen“. Ihre Geschichten „Nun red doch endlich“, „Kratzer im Lack“ oder „Stolperschritte“ um die Probleme eines gehbehinderten 15-Jährigen wurden vielfach ausgezeichnet.

          Mit „Katharina und so weiter“ (1984), einer beschwingten Alltagsgeschichte um eine 9-Jährige, „Riesenkuss und Riesenglück“ (1984) und den Fortsetzungen ihrer „Jessi“-Geschichten (ab 1987) setzte Pressler dann die Serie ihrer erfolgreichen Kinderbücher fort. Ab Ende der achtziger Jahre konzentrierte sie sich auf Erstlese- und Vorlesetexte für das Vorschulalter sowie Bilderbücher. Mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis 1995 in der Sparte Kinderbuch wurde ihr großer, autobiographisch durchwirkter Kinderroman „Wenn das Glück kommt, muss man ihm einen Stuhl hinstellen“ (1994) ausgezeichnet.

          „Die Verlagsgruppe Beltz“, heißt es auf der Website des Unternehmens, „trauert um eine große Erzählerin und Freundin des Verlags, die nicht zuletzt durch ihre Übersetzungen zur internationalen Verständigung beigetragen hat.“ Ihr letzter Roman soll im März erscheinen. „Dunkles Gold“ schlage nach Auskunft des Verlags einen Bogen von den Pestpogromen im Mittelalter zu aktuellen antisemitischen Entwicklungen in Deutschland.

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