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Ken Follett im Gespräch : Mein Nobelpreis ist mein Maserati

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„Ich liebe es, Geld zu verdienen”: Ken Follet Bild: dapd

Sein Roman „Die Säulen der Erde“ ist ein Weltbestseller. Jetzt ist das Buch verfilmt worden, und der Autor stand selbst vor der Kamera - Ken Follett über seinen Erfolg und seine Arbeitsmethoden.

          4 Min.

          In der Verfilmung Ihres Romans „Die Säulen der Erde“ spielen Sie selbst mit. Wen stellen sie dar?

          Einen anglo-französischen Kaufmann, der einen Teil der Hintergrundgeschichte erklärt.

          Haben Sie Erfahrung als Schauspieler?

          In der Verfilmung meines Buches „Der Dritte Zwilling“ hatte ich eine winzige Rolle als Larry Hagmans Diener, der lediglich sagt: „Sofort, Sir.“ Diesmal musste ich einen Text lernen. Wir standen zwei oder drei Stunden am Set. Ich habe recht viel über mittelalterliche Kleider geschrieben, sie aber nie getragen. Es war ein heißer Tag im Juli und die Kleider waren sehr warm und unbequem. Dennoch hat es mich fasziniert.

          Erfolgsgarant: Ken Follett
          Erfolgsgarant: Ken Follett : Bild: dpa

          Haben Sie beim Drehbuch eingegriffen?

          Diesmal nicht. Ich habe das Manuskript gelesen und nichts dazu gesagt, außer dass es mir gefallen hat. Es gehört sich nicht, bei Dreharbeiten Änderungen zu verlangen. In der Vergangenheit habe ich bei Miniserien manchmal Darsteller vorgeschlagen, aber ich war sehr zufrieden mit der Wahl, die hier getroffen wurde. Ian McShane ist ein Traum als der böse Bischof Waleran, dabei ist er in Wirklichkeit ein liebenswürdiger, sanfter Mensch.

          Sie haben Ihre Romane in verschiedenen Epochen angesiedelt. In welcher würden Sie am liebsten selber leben?

          Ich bin ganz sicher, dass ich nicht gerne im Mittelalter gelebt hätte, weil ich ein ziemlicher Geniesser bin und mir der Komfort und die Genüsse des modernen Lebens wie Zentralheizung und heisse Bäder gefallen.

          Dann kämen für Sie nur das zwanzigste und das einundzwanzigste Jahrhundert oder allenfalls die viktorianische Ära in Frage.

          Auf Ihre Art waren die Edwardianer die verwöhntesten Menschen aller Zeiten. In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg verfügten die Wohlhabenden über endlose Reichtümer. Die Menschen zogen sich fünf Mal am Tag um, einfach weil sie die Kleider besaßen und wenig anderes zu tun hatten.

          Frederick Forsyth hat unlängst bemerkt, er schreibe des Geldes wegen. Was treibt Sie?

          Ich liebe es, Geld zu verdienen und insbesondere es auszugeben, aber ich würde diesen Beruf unbesehen für einen Prozent des Ertrages ausüben, weil ich Freude habe beim Gedanken, dass Millionen von Menschen eine Geschichte lesen, die ich mir ausgedacht habe. Natürlich wissen die Leser, dass das alles nie geschehen ist und bloss von einem Kerl am Computer erfunden wurde. Trotzdem reagieren sie, als habe sich die Geschichte ereignet. Ihre Augen stehen voller Tränen, sie lachen oder ihr Herz schlägt schneller. Das kommt mir vor wie ein Wunder. Dass ich diesen Zauber bewirken kann, macht mir so viel Spaß, dass ich auch schreiben würde, wenn es schlecht bezahlt wäre.

          Sie können es sich leisten, das zu sagen.

          Das stimmt. Am Anfang waren meine Bücher nicht sehr erfolgreich. Ich verdiente um die zweihundert Pfund. Das war damals nicht zu verachten. Andererseits konnte man sich keine Yacht damit kaufen.

          „Säulen der Erde“ ist in Deutschland ein Riesenerfolg gewesen und wurde von 250 000 ZDF-Zuschauern nach der Bibel und „Herr der Ringe“ zum drittbesten Buch aller Zeiten gewählt. Wie erklären Sie sich das?

          Das Buch ist in Deutschland sehr erfolgreich, aber das gilt auch für Spanien und Italien. In Frankreich wurden eine Million Taschenbücher verkauft, obwohl der Markt dort schwierig ist für Ausländer – das kam allein durch Mundpropaganda zustande. Der deutsche Verlag war von dem Buch mehr begeistert als die Amerikaner und die Briten. Mein deutscher Lektor hatte schon immer davon geträumt, ein Buch über die Kathedralen zu verlegen, und tat, was alle Lektoren tun sollten: den ganzen Verlag für das Buch zu begeistern. In Spanien hingegen hat mein damaliger Verleger das Buch sogar abgelehnt. Als es dann bei einem anderen Verlag erschien, wurde es eines der erfolgreichsten Bücher überhaupt in Spanien. Ich finde es ermutigend, dass ein gutes Buch sich manchmal durchsetzt, auch wenn der Verlag keine gute Arbeit geleistet hat.

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