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Ken Follett hält Hof : Wendepunkt auf Seite sechs

Ein großer und überaus professioneller Agent in eigener Sache: Ken Follett Bild: Röth, Frank

Seit dem historischen Roman „Säulen der Erde“, der 1990 erschien, ist Ken Follett ein Star. Sein neues Buch heißt „Winter der Welt“ und erzählt vom Zweiten Weltkrieg: Ein Treffen mit dem Autor in Aragonien.

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          Man könnte Ken Follett als Schriftsteller oder Bestsellerautor bezeichnen, aber genauer wäre es, ihn eine weltweit operierende Firma zu nennen. Ihr wesentliches Asset, wie es heute im Jargon heißt, ist der dreiundsechzigjährige Waliser selbst. Nicht nur wegen seines Talents, sondern wegen schwer schlagbarer Medienpräsenz und unerschöpflicher Geduld. Um ihn herum wieseln Verlagsmitarbeiter und sein persönlicher Beraterstab, und im Hintergrund arbeiten Agenten, Rechercheure, Historiker und vor allem Buchhalter, die den Tantiemenfluss seiner fast dreißig Romane in mehreren Dutzend Ländern kontrollieren.

          Paul Ingendaay
          Europa-Korrespondent des Feuilletons in Berlin.

          „The Follett Office“ nennt sich der Apparat, der um den Autor des Bestsellers „Die Säulen der Erde“ gruppiert ist, mit zweieinhalb Millionen verkauften Exemplaren sein erfolgreichster Titel auf dem deutschen Markt. Hieß es vor wenigen Jahren noch, er beschäftige sechzehn Mitarbeiter, sind es inzwischen zweiundzwanzig. Es sei so kompliziert geworden, die Abrechnungen zu prüfen, sagt seine Frau Barbara Follett, die ehemalige Labour-Abgeordnete, und es gibt keinen Grund, ihr nicht zu glauben. Nicht alle Verleger, fügt sie mit ernster Miene hinzu, seien verlässlich.

          Wir treffen Ken Follett an der Bar eines Hotels in Saragossa. Schwarzer Anzug, weißes Hemd, silbergraue Krawatte, alles passend zum weißen Haarschopf. Der Schriftsteller ist entspannt und aufmerksam, der Umgang mit den Medien gehört zum Geschäft. Nächste Woche wird in vielen Ländern zugleich „Winter der Welt“ ausgeliefert, der zweite Teil der „Jahrhundert“-Trilogie. Der erste Band, „Sturz der Titanen“, ist der jüngste Bestseller eines Autors, der weltweit mehr als 130 Millionen Bücher verkauft hat.

          Tausend Seiten in vierundzwanzig Monaten

          Wir verbringen in Saragossa zwei Tage mit ihm, um einen Schauplatz des Roman mit ihm zu besuchen: Der Start eines Follett-Buchs ist die Art Weltpremiere, die die Bestsellerlisten des halben Erdballs erschüttert. Ob es nicht anstrengend sei, fragen wir ihn, von einem Land zum anderen zu ziehen und stets dasselbe zu sagen?

          Nein, sagt Follett, das gehöre dazu. In der Woche darauf müsse er nach New York, danach folgten Italien, England, Deutschland. Er fühle sich dabei wohl. Am anstrengendsten sei das Schreiben. Acht Monate, sagt er, brauche er für die Recherche und den Handlungsplan, acht Monate zum Schreiben, acht weitere Monate zum Überarbeiten. Danach liegen tausend Seiten da.

          Am nächsten Morgen fahren wir in das Dorf Belchite, sechzig Kilometer südlich von Saragossa. Follett hat einen Strohhut gegen die Hitze mitgebracht. Das Skelett eines Kirchturms sehen wir schon aus der Ferne. Belchite ist ein Trümmerfeld. „Historische Ruinen“ steht unter einem ramponierten Torbogen. In der Franco-Zeit ließ man den Ort einfach verfallen, er sollte als Mahnmal dienen.

          Wie er denn auf die Idee gekommen sei, fragen wir Follett, das Kapitel über den Spanischen Bürgerkrieg ausgerechnet in Aragonien anzusiedeln? „Das Dorf war mitentscheidend für den Kriegsverlauf“, antwortet er. Das habe er recherchiert. Dann sei er hingefahren und habe gleich erkannt: „Es wäre toll, hier Kameras hinzubringen.“ Das kann man wohl sagen.

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