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John Maddox Roberts im Interview : Zeitgenosse Caesar

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Decius ist ja nicht allein bei seinen Ermittlungen. Andere Charaktere haben im Zuge der Serie an Bedeutung gewonnen. Hermes ist erst als Decius' Sklave, dann als Freigelassener so etwas wie der Sidekick des Ermittlers. Und der griechische Arzt Asklepiodes spielt die im modernen Kriminalroman fast unentbehrliche Rolle des forensischen Experten.

Hermes war anfangs nicht weiter wichtig, aber ich begriff schnell, dass Decius ihn brauchte. Ich hatte ihn zunächst nicht als traditionellen Sidekick gesehen, er wird dazu, weil Decius als hoher Magistrat nicht mehr überall herumschnüffeln und sich herumtreiben kann. Asklepiodes war notwendig, weil ein Mann wie Decius nie in der Lage gewesen wäre, Wunden fachmännisch zu untersuchen. Medizin und Chirurgie waren damals getrennte Disziplinen, weshalb Asklepiodes unter seinen Standesgenossen einen zweifelhaften Ruf hat, da er gelegentlich selbst als Chirurg Hand anlegt. Er ist ein völlig fiktiver Charakter, und deshalb war ich erstaunt, als ich bei meinen Recherchen zur römischen Medizin las, dass ein Mann namens Asclepiades zur damaligen Zeit eine römische Schule der Medizin gegründet hat.

War es sehr schwer, einen Kriminalroman ohne Polizei und andere wesentliche Elemente des modernen Genres zu schreiben?

Die Leute sind immer überrascht, wenn ich ihnen sage, es habe im alten Rom keine Polizei gegeben. Sie erscheint uns heute als Basisvoraussetzung des bürgerlichen Lebens. Eine weitere Überraschung für viele Leser ist es, dass Mord nicht als besonders schweres Verbrechen galt, Brandstiftung hingegen schon. Am schwierigsten war es jedoch, damit klar zu kommen, dass die von Decius verwandte deduktive Methode dem römischen Denken völlig fremd ist. Seine Zeitgenossen wissen nicht mal, wie sie das nennen sollen, was er tut, und tolerieren ihn nur, weil er Erfolg hat.

Wie sieht es mit dem Erfolg Ihrer Bücher aus? Haben Sie davon profitiert, dass Hollywood sich Ende der neunziger Jahre wieder für antike Stoffe interessierte? Ich denke da an „Gladiator“, später an „Troja“, „300“ oder an die erfolgreiche Fernsehserie „Rom“.

Geschadet hat es sicher nicht. Aber ich musste immer wieder darauf hinweisen, dass Ridley Scotts Rom in „Gladiator“ völlig verschieden ist von dem Rom meiner Bücher. Wie die HBO-Serie „Rom“ die Stadt zeigt, entspricht jedoch ziemlich genau meinen Vorstellungen. Es ist das Beste an ihr, dass sie Rom als chaotisches, baufälliges und verkommenes italisches Dorf zeigt, das irgendwie zu einer Metropole geworden ist. Ich habe Einwände gegen Details der Serie, aber insgesamt ist sie ein herausragendes Porträt. Übrigens wurden meine Bücher nach dem Oscar-Triumph von „Gladiator“ kurzzeitig als Basis für eine Miniserie gehandelt. Aber das war schnell vorbei, Hollywood hatte das Interesse wieder verloren.

Funktioniert das republikanische Rom für Sie auch als eine Art ferner Spiegel für unsere Zeit? Sie suchen ja nicht so bewusst nach Parallelen, wie das zum Beispiel Robert Harris in „Imperium“ getan hat.

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