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Irina Liebmann zum Siebzigsten : Berliner Weltbürgerin

  • -Aktualisiert am

Irina Liebmann im Mai 1996 Bild: Brigitte Friedrich

Über den Journalismus fand sie zum Schreiben. Das Gespür für unterschiedliche Tonlagen hat sie sich bewahrt, auch die Neugier auf Menschen und ihre Geschichten: Irina Liebmann zum Siebzigsten.

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          Das Zentrum ihres literarischen Kosmos liegt in Berlin, genauer: in Berlin-Mitte, am Hackeschen Markt. Dorthin kehrt Irina Liebmann immer wieder zurück - fotografierend, erzählend, recherchierend und auch singend. „Hier scheint die Sonne anders, hier / Ist es immer schön, hier / Will doch jeder sein“, beteuert sie in dem vielstrophigen „Lied vom Hackeschen Markt“, das vor Jahren entstand, aber erst jetzt veröffentlicht wurde. Zarte poetische Töne schlägt die Dichterin an und wechselt schnell wieder zu ernsteren Themen der großen Politik, wie man es seit ihren Anfängen kennt.

          Über den Journalismus fand die Ost-Berlinerin zum Schreiben. 1982 erschien die literarische Reportage „Berliner Mietshaus“, in der Irina Liebmann, geduldig und genau beobachtend, stets taktvoll und diskret, die Bewohner eines Hauses am Prenzlauer Berg porträtierte. Das war damals etwas aufregend Neues. Das Gespür für unterschiedliche Tonlagen hat sie sich bewahrt, auch die Neugier auf Menschen und ihre Geschichten. Leser und Kritiker wissen dies seit langem zu schätzen.

          Eine unerschütterliche Ausrichtung

          1987, ein Jahr vor ihrer Übersiedelung nach West-Berlin, erhielt Irina Liebmann in Klagenfurt den Ernst-Willner-Preis; zahlreiche andere Auszeichnungen folgten. 2008 bekam sie den Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Sachbuch für das lebendige Porträt ihres Vaters Rudolf Herrnstadt, der als Chefredakteur des „Neuen Deutschlands“ zu den Gründervätern des DDR-Journalismus gehörte und 1953 wegen seiner kritischen Haltung gegenüber dem Regime in Ungnade fiel. Den Krieg hatte der jüdische Kommunist Herrnstadt, der 1931 in den Dienst des sowjetischen Militärnachrichtendienstes getreten war, im Moskauer Exil verbracht, dort wurde die Tochter Irina geboren.

          Erinnerungen an ihre aus Sibirien stammende Mutter Valentina, die schöne Frau mit der Lauren-Bacall-Frisur, durchziehen ihr jüngst erschienenes Reisebuch „Drei Schritte nach Russland“. Zwischen Ikonen und lauten Fernsehspots, in der Moskauer Metro und in rustikalen Datschen erkundet Liebmann das heutige russische Lebensgefühl. Ihr literarischer Kompass aber behält seine unerschütterliche Ausrichtung: „Was ist das Café Slavia gegen den / Hackeschen Hof? / Was ist die Moldau / Gegen die Spree?“ An diesem Dienstag wird diese Berliner Weltbürgerin siebzig Jahre alt.

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