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Im Gespräch: Jonathan Safran Foer : Schluss mit Schnitzeljagd

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Jonatahn Safran Foer: „Vom Bewusstsein, Heuchler zu sein, nicht abhalten lassen” Bild: ASSOCIATED PRESS

Sein Buch „Tiere essen“ schockierte die Leser und erntete Anerkennung und Zuspruch. Die Fleisch-Industrie hingegen schwieg. Der amerikanische Autor Jonathan Safran Foer über Massentierhaltung, Verdrängung und unterdrücktes Verlangen.

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          Ich kenne kein Buch, das das Leben so vieler Menschen verändert hat wie Ihr „Tiere essen“. Mehrere Bekannte essen nach der Lektüre kein Fleisch und keinen Fisch mehr oder sehr viel weniger - und mit schlechterem Gewissen. Auf persönlicher Ebene hatte Ihr Buch also Konsequenzen: Gab es auch Reaktionen der Fleisch-Industrie?

          Jonathan Safran Foer: Überhaupt keine. In gewisser Hinsicht war das Schweigen der Industrie der überraschendste Teil der ganzen Erfahrung. Und der vielsagendste. Die Industrie weiß natürlich, dass jede Reaktion von ihrer Seite die Diskussion anheizen würde. Und je mehr wir über Fleischproduktion nachdenken, desto weniger wollen wir es essen. Ich kann mir keinen Menschen vorstellen, der größeren Appetit auf Fleisch hätte, wenn er mehr über Massentierhaltung wüsste, ihre Auswirkungen auf Menschen, Umwelt und Tiere. Es ist eine Industrie, die entweder Unwissenheit von ihren Kunden verlangt oder das Verdrängen von Herz und Verstand.

          Haben Sie den Eindruck, es verändert sich etwas zum Besseren?

          Ja, sicherlich zum Besseren. Und sicherlich auch zum Schlechteren. Heute wird pro Kopf und prozentual mehr Fleisch konsumiert als je zuvor in der Geschichte. Und Massentierhaltung breitet sich wie ein Flächenbrand in Südamerika, Osteuropa und Asien aus - oft genug im wahrsten Sinne des Wortes. Erschwerend kommt hinzu, dass Amerika nicht nur seine Landwirtschaftstechnologien exportiert, sondern auch seine Essgewohnheiten. Wenn alles auf der Welt gleich bleibt, nicht noch ein Kind dazukommt und die Chinesen und Inder beginnen, wie die Amerikaner zu essen, müssen wir doppelt so viel Nutztiere halten: hundert Milliarden. Auf der anderen Seite sind 18 Prozent der amerikanischen Studenten Vegetarier. Es gibt an den Universitäten mehr Vegetarier als Katholiken. Und die Bewegung weg von Fleisch aus Massenzucht ist nicht mehr marginal, sondern mainstream, genauso wie es nicht mehr nur Hippies sind, die sich für die Umwelt interessieren, sondern jeder. Der Erfolg meines Buches in Deutschland wäre noch vor fünf Jahren nicht möglich gewesen.

          Was war die schönste Reaktion, die Sie bekommen haben?

          Am meisten hat mich an den Reaktionen erstaunt, dass mein Buch kein bisschen umstritten war. Niemand, der über Massentierhaltung Bescheid weiß, ist dafür. Was die Leserschaft angeht, hat mich gefreut, wie positiv Landwirte das Buch aufgenommen haben. Es ist ein Irrglaube, dass Vegetarier gegen Landwirte sind. Ich bin es nicht. Tatsächlich wollen Landwirte - und ich meine jetzt echte Landwirte, nicht Fabrik-Landwirte - ein nachhaltigeres, gewaltloseres Nahrungssystem. Natürlich sind wir nicht in allem einer Meinung, aber in einer Welt mit fünfzig Milliarden Tieren in Massentierhaltung müssen wir unseren gemeinsamen Feind erkennen. Ich habe ein paar Dutzend Briefe von Bauern bekommen, und bisher war jeder unterstützend.

          Ich kenne auch Leute, die Ihr Buch weitläufig umgehen: Sie haben Angst davor, es zu lesen, ahnend, dass Sie danach nicht weitermachen könnten wie vorher. Irgendeine Botschaft an diese Leute?

          Versuchen Sie einen meiner Romane! Ich will Tiere essen niemandem aufdrängen, und es liegt eine Eitelkeit darin, den Entscheidungen eines Einzelnen zu viel Bedeutung beizumessen. Fünfzig Milliarden Tiere werden jedes Jahr industriell verarbeitet. Was die Umwelt angeht, ist Viehzucht die zerstörerischste Industrie der Welt. Wir müssen das Klima verändern, es nicht nur akzeptabel machen, danach zu fragen, wo das Essen herkommt, sondern inakzeptabel, es nicht zu tun.

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