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Ilon Wikland zum neunzigsten : Ronjas zweite Mutter

Ilon Wikland, im Hintergrund zwei ihrer schönsten Schöpfungen. Bild: Picture-Alliance

Ronja Räubertochter, Karlsson vom Dach und die Brüder Löwenherz – ihre Illustrationen kennt jeder, der die Bücher von Astrid Lindgren gelesen hat. Heute wird die schwedische Illustratorin Ilon Wikland neunzig Jahre alt.

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          Ronja Räubertochter, Karlsson vom Dach, Mio und die Brüder Löwenherz sehen Millionen von Lesern so, wie Ilon Wikland sie sah: Stupsnasig, mit großen Augen, strubbeligen Haaren, denen man den Spaß ansieht, das Rennen und Verstecken. Manchmal auch das schlechte Gewissen oder die Sorge. Mit den festen, rosigen Bäckchen, wie sie Kinder haben, denen es meistens gutgeht. So sehen Madita und Lisbeth aus und Lotta aus der Krachmacherstraße, deren Vorbild Wiklands eigene Tochter Anna war.

          Eva-Maria Magel

          Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Ilon Wikland hat Astrid Lindgrens Bildwelt geprägt, bis über deren Tod 2002 hinaus. Dass Lotta, wie viele andere Figuren, im Lauf der Jahre ihren Look und ihre Haltung verändert hat und doch vertraut geblieben ist, spricht für die Kunst einer Illustratorin, die wach in ihrer Zeit steht, auch wenn sie sich und dem Werk, das sie über mehr als ein halbes Jahrhundert begleitet hat, treu ist.

          Seit sie, von Kindesbeinen an zeichnerisch bestens ausgebildet und von der Tante gefördert, als Illustratorin und junge Mutter auf der Suche nach einem Job in Heimarbeit 1953 Lindgren traf, sind die beiden ein Team gewesen. Mit „Mio, mein Mio“ fing es an, als einzige berühmte Lindgren-Figuren stammen nur „Pippi“, „Michel“ und „Tomte Tummetott“ nicht von Wikland. Lindgren wusste stets, was sie an Wikland hatte, die neben ihren auch andere Werke illustriert und eigene mit Zeichnungen und Aquarellen geschaffen hat.

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          Nur eine Figur ist nicht ganz so berühmt geworden: Das kleine Mädchen im roten Mantel, mutter- und vaterseelenallein auf einem Bahnsteig, mit Koffer und Hund. Das Kind schafft es, ganz allein mit einem Flüchtlingsschiff nach Schweden zu kommen. Auf dem Bild ist das Mädchen viel jünger, als Ilon Wikland es damals war: 1944, mit 14 Jahren, hat die Großmutter, die es aufgenommen hatte, weil beide Eltern sich nicht recht um es kümmerten, das Mädchen allein in eines der letzten Boote gesetzt, die von Estland nach Schweden gelangten. Dass sie ein Flüchtling war, schwer krank wurde, kaum dass sie in Stockholm angekommen war, und erst die Sprache lernen musste, um ihren Weg zu gehen, hat Ilon Wikland nie vergessen.

          Doch erst 1996 ist „Die lange, lange Reise“ erschienen, ihre eigene Odyssee, erzählt von Rose Lagercrantz, die sich von Wikland anhand ihrer zum Teil sehr düsteren Aquarelle deren Kindheitsgeschichte berichten ließ. 1989 konnte Wikland ihre estnische Heimat wieder besuchen. In ihrer Kindheitsstadt Haapsalu beherbergt mittlerweile „Ilons Wunderland“, ein Mitmachmuseum für Kinder und Erwachsene, auch Wiklands graphisches Werk. Heute wird Ilon Wikland 90 Jahre alt.

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