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Keyserlings Indienreise : Naivität als höchstes Lob verstanden

  • -Aktualisiert am

„Als Ganzes ist dies Buch das bedeutendste, das in Deutschland seit Jahren erschienen ist“, sagte Hermann Hesse über das Reisetagebuch Keyserlings, den er im Übrigen aber für unbegabt hielt. Bild: Picture-Alliance

Das Licht in Varanasi, die Gipfel des Himalaja: Hermann Keyserlings „Reisetagebuch eines Philosophen“ begeisterte eine ganze intellektuelle Generation für Indien.

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          Vor hundert Jahren änderten sich die Zeiten. Wie Franz Baermann Steiner es so pointiert ausdrückte: „Meine Italienreise müßte nach Indien gehen.“ Ende des neunzehnten Jahrhunderts machten sich deutsche Aristokraten und Diplomaten, die über genügend Reisegeld verfügten, zu Abenteuern nach Osten auf. Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts folgten viele Schriftsteller der Verlockung. Vorbei die Zeiten, als man sich erlauben konnte, etwa über Indien zu schreiben, ohne, wie noch die Romantiker, je einen Fuß in das Land zu setzen.

          Deren ideales Indien war ein Gegenentwurf zum realen Leben in Europa gewesen, aus der Frustration über abbröckelnde Traditionen und verblassende Weltbilder geboren. Mit der Eröffnung des Suezkanals wurde plötzlich die Schiffsreise drastisch abgekürzt. Stefan Zweig, Max Dauthendey, Waldemar Bonsels, Hermann Keyserling, René Schickele und Karl Wolfskehl mit dem Künstler Melchior Lechter waren in Indien unterwegs. Der berühmteste literarische Reisende war Hermann Hesse. Er brach 1911 auf und besuchte nur Sri Lanka und das damalige „Hinterindien“, dann kehrte er krank zurück. Alle Autoren schrieben über ihre Eindrücke, manche enttäuscht wie Hesse, einige sogar abgestoßen wie Zweig, andere hellauf begeistert. Was ist von ihren Werken über Indien heute noch lebendig? Der süffisant-herablassende Erlebnisbericht „Indienfahrt“ von Waldemar Bonsels ist nach dem Zweiten Weltkrieg neu aufgelegt worden. Hesses „Siddhartha“ wurde zum Kultbuch und sein Tagebuch „Aus Indien“ mehrfach aufgelegt.

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