https://www.faz.net/-gr0-9s8uj

Handkes Übersetzer : „Poetisch in der Politik verirrt“

Peter Handke in seinem Garten Bild: EPA

Der Übersetzer eilt zur Verteidigung: Georges-Arthur Goldschmidt charakterisiert Handke als Dichter der Versöhnung, der die „Mauer der Verhinderung und Bedingungen“ niedergerissen hat.

          3 Min.

          Am Sonntag vor der Bekanntgabe des Literaturnobelpreises aßen Georges-Arthur Goldschmidt, der im Mai seinen 91. Geburtstag feierte, und Peter Handke mit ihren Ehefrauen in einem Restaurant im Departement Loire. Mit Handke, von dem Goldschmidt gut dreißig Bücher übersetzt hat, trifft er sich hier regelmäßig. Er hat ein kleines Landhaus, und auch Handke hat ein Haus ganz in der Nähe, „an einem Abhang mit einer Wiese, es ist schlicht, sehr alt, wahrscheinlich ein ehemaliges Pfarrhaus. Wie wir fährt Handke, der bei Paris wohnt, alle zwei Wochen für ein paar Tage hierher.“ Über Gott und die Welt hätten sie an diesem Sonntagmittag gesprochen, aber nicht über den Nobelpreis. Und Goldschmidt schiebt gleich hinterher: „Trotz allem – er hat ihn verdient.“ Und „trotz manchem Gewitter“ seien sie seit bald einem halben Jahrhundert Freunde geblieben. Goldschmidt, der als Deutschlehrer in einem Vorstadtgymnasium arbeitete, hatte in den siebziger Jahren von seinem Verleger Christian Bourgois das Buch „eines gewissen Peter Handke“ in die Hand gedrückt bekommen. Es war die „Begrüßung des Aufsichtsrats“.

          Jürg Altwegg

          Freier Autor im Feuilleton.

          Peter Handkes Romane wurden in Paris sehr schnell wie eine Offenbarung empfunden. Goldschmidt begründet den Boom, den Handke auslöste, mit dem Zustand der französischen Literatur, die damals unfähig gewesen sei, „freie Individualität“ und ein „Verhalten des Schweigens“ zu thematisieren. Handkes Erfolg war nicht zuletzt eine Antwort auf den „Nouveau Roman“.

          Testen Sie unsere Angebote.
          Jetzt weiterlesen

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

          FAZ.NET komplett

          : Neu

          F.A.Z. Woche digital

          F.A.Z. + F.A.S. – Adventsangebot

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Türgriffe am Landgericht Bonn, wo schon über die Cum-Ex-Affäre verhandelt wird.

          Steuerskandal : Cum-Ex-Banker gehören nicht in Haft

          Im Steuerrecht zählt der gesunde Menschenverstand nicht viel. Die Cum-Ex-Banker konnten nicht wissen, dass ihr Verhalten verboten war. Der Staat darf sie nicht bestrafen.
          Abschied vom Kollegen: Feuerwehrleute am Samstag vor Beginn der Trauerfeier in der Pfarrkirche St. Ägidius in Neusäß

          Gewalttat in Augsburg : Mal wieder junge Männer

          Nach dem Tod eines Feuerwehrmannes auf dem Königsplatz in Augsburg stellen sich viele Fragen: Sind junge Migranten heute gewaltbereiter als früher? Und woran starb das Opfer?