https://www.faz.net/-gr2-825b3

Rezensionen in der F.A.Z. : Alle „Zeitungsfritzen“ gegen Grass

  • Aktualisiert am

Das ist nicht nur eine Pfeife: Sie ruht in der Hand von Günter Grass. Bild: dpa

Ein spätes Eingeständnis, eine Kinderstimmenkomposition, ein Abgleich mit Gelehrten und ein Einblick in ein bewegtes Jahr: Die letzten großen Bücher von Günter Grass in der F.A.Z.-Kritik.

          2 Min.

          Angefangen mit „Beim Häuten der Zwiebel“, hat Günter Grass in drei Büchern in den letzten zehn Jahren seine Lebenserinnerungen literarisch bearbeitet: „Die Box“ lässt sein Kinder zu Wort kommen, „Grimms Wörter“ reflektiert mit einer Spiegelung ins Leben und Werk der beiden Göttinger Gelehrten seine späten Jahre.

          Die Frankfurter Allgemeine hat die drei Bücher und den Tagebuchauszug „Unterwegs von Deutschland nach Deutschland“, der das Jahr 1990 umfasst, rezensiert.

          Im Jahr 2006 erschien „Beim Häuten der Zwiebel“, jenes Erinnerungsbuch, das vor allem durch das späte Eingeständnis von Günter Grass, mit siebzehn Jahren Mitglied der Waffen-SS gewesen zu sein, für Aufregung sorgte. Hubert Spiegel hat das Buch im August 2006 rezensiert:

          „Wie sehr sein Leben schon zur Literatur geworden war, wusste nur Grass selbst. Nur er konnte wissen, aus welchen Realitätspartikeln er seine Bücher zusammengesetzt hat, was in ihnen sich dem Erleben und was sich der schöpferischen Phantasie verdankte“, schreibt der Rezensent. „Beim Häuten der Zwiebel“ sei keine Autobiographie, erklärt Spiegel: „Es ist der Roman zum Leben des Günter Grass. Es ist sein größtes und wichtigstes Buch seit der 'Danziger Trilogie'.“

          Zur vollständigen Rezension.

          Zwei Jahre später lieh Günter Grass seinen Kindern eine Stimme. In „Die Box“ erzählen sie die Geschichte einer zerrissenen Familie, unausgesprochener Vorwürfe und eines Vaters, der sich in der Rolle des Dichterpascha gefiel.

          „Es ist eine traurige Geschichte“, urteilte Volker Weidermann Ende August 2008, „mit einer Art Harmonie und vielen Lügen und Geheimnissen am Ende, Verletzungen, eine Geschichte, die nur wenig hilft.“ Er zitiert aus dem Buch: „Jetzt hofft der unzulängliche Vater, daß die Kinder ein Einsehen haben. Denn weder können sie sein Leben, noch er ihres wegstreichen, wie ungelebt einfach wegstreichen ...“

          Niemand könne das, weiß Weidermann, „auch kein Vater Grass. Er kann es nur zu einer Geschichte runden. So rund wie lange keine mehr.“

          Zur vollständigen Rezension.

          Im Jahr 2009 verlegte Steidl unter dem Titel „Unterwegs von Deutschland nach Deutschland“ das Tagebuch von Günter Grass aus dem Jahr 1990. Es dokumentiert seinen Ein-Mann-Ausflug gegen die Währungsunion und die Wiedervereinigung.

          „Sein Blick auf die DDR“, analysiert unser Rezensent Nils Minkmar, „ist eine nostalgische Verlustgeschichte: der alte Fischer erlöst zu wenig für den Fang, das alte Bier ist verschwunden, die urigen Lädchen müssen bald Supermärkten weichen. Richtig lustig ist eine Stelle, an der Grass von einer Lesereise durch die DDR zurückkommt und in Berlin einen seiner Söhne trifft. Der junge Mann könnte etwas Geld gut gebrauchen, da reicht ihm der Vater die Gage seiner Tour, 500 Mark - schön in original Ost-Geld. Grass ist daraufhin enttäuscht über die Enttäuschung des Sohnes, belehrt ihn über die schöne symbolische Dimension der alten Währung.“

          Zur vollständigen Rezension.

          Im Jahr 2010 schließlich erschien „Grimms Wörter. Eine Liebeserklärung“, von dem man damals hörte es sei wohl das letzte Buch von Günter Grass. „Eine unfaire Ankündigung“, wie unser Rezensent Hans-Martin Gauger in seiner Besprechung aus dem August 2010 findet. Liegt der Schwerpunkt des Buchs tatsächlich auf den Brüdern Grimm?

          „Es ist in der Tat gerechter, das Buch autobiographisch zu nehmen“, erläutert Gauger, „auch wenn sich die meisten seiner Seiten auf Jacob und auf Wilhelm Grimm beziehen. Nimmt man es so, ist es nicht überraschend oder irritierend, dass der Autor so oft von sich redet.“ Er hätte gewiss auch einen historischen Roman über die Grimms schreiben können, überlegt der Rezensent: „Aber das wollte er zu Recht nun einmal nicht. Er wollte über sich reden und auch, weil das zu ihm gehört, über Deutschland.“

          Zur vollständigen Rezension.

          Weitere Themen

          Der letzte Sommer der Utopie

          Zukunft des Urlaubs : Der letzte Sommer der Utopie

          Wir wissen nicht mehr, was in zwei Wochen sein wird. Strikte Regeln müssen uns schützen. Könnte es sein, dass die intensive Beschwörung des Sommers eine Kränkung wiedergutmachen soll, die mit dem Virus verbunden ist? Ein Gastbeitrag.

          „Married“ Video-Seite öffnen

          Trailer : „Married“

          Die Serie „Married“ läuft beim Pay-TV-Sender ProSieben Fun.

          Topmeldungen

          Christian Sewing und Martin Zielke (rechts)

          Nach Zielkes Rückzug : Sewing, übernehmen Sie!

          Es darf bezweifelt werden, dass die Commerzbank den Weg aus ihrer schwersten Krise alleine findet. Und so dürfte es mit Blick auf den Chef der Deutschen Bank bald heißen: Herr Sewing, übernehmen Sie.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.