https://www.faz.net/-gr0-9dnkd

Friedrich Ani über Bayern : Eine Niederlage der CSU ist noch lange nicht sicher

Man kennt das ja vom CSU-Wähler, dass er schimpft und mit dem Traktor nach Brüssel fährt, aber dann trotzdem wieder CSU wählt. Widerstand und Protest gegen die Partei gab es immer. Und ich glaube, dass es in Bayern noch genug Leute gibt, die die CSU verdient haben und die die Partei auch wieder wählen werden. Eine fundamentale Niederlage der CSU ist noch lange nicht sicher.

„Seehofer ist ein Unchrist“: Sie sind unlängst mit einem Gedicht gegen den Bundesinnenminister an die Öffentlichkeit gegangen, die „Abendzeitung“ hat Ihren Protest auf Seite 1 gebracht. Aber sonst hört und liest man von Ihren Kolleginnen nicht viel Widerständiges.

Ab und zu muss man als Schriftsteller einen raushauen. Aber viele Kolleginnen und Kollegen haben vielleicht Angst vor dem Shitstorm, der dann unweigerlich kommt.

Und, kam er dann in Ihrem Fall?

Die Zeitung wurde mit Kommentaren und Leserbriefen zugeschüttet, bei mir hielt es sich in Grenzen.

Hatten Sie eigentlich Vorbilder aus der bayerischen Literatur?

Das kann ich nicht behaupten. Ich habe die Bayern erst spät gelesen, Georg Queri, Lena Christ, Oskar Maria Graf eher am Rande, aber natürlich alles von Herbert Achternbusch. Er hat mich enorm beeinflusst, mir Mut zur eigenen Haltung gegeben. Ich habe ihn immer bewundert, wie er da alles aus sich herausgebrochen hat, Poesie, Malerei, seine Filme.

Die digitale F.A.Z. PLUS
F.A.Z. Edition

Die digitale Ausgabe der F.A.Z., für alle Endgeräte optimiert und um multimediale Inhalte angereichert

Mehr erfahren

Vielen fällt bei Bayern immer nur Bier, Berge, FC Bayern und CSU ein. Was geht Ihnen da durch den Kopf?

Das ist schwierig für einen, der wie ich aus einem oberbayerischen Dorf kommt. Da fallen mir natürlich als Erstes die Berge ein. Berge, die im Weg stehen. Wiesen. Kühe, die ich noch nie verstanden habe, stehen herum, sind unberechenbar. Beschaulichkeit und Enge. Das klingt jetzt aber alles so negativ. Es gibt schon auch Positive wie den Dialekt. Ich glaube, dass die Bayern Menschen mögen, auch wenn sie es nicht immer zum Ausdruck bringen. Der bayerische Mensch ist an sich ein weltoffener Mensch. Er hat es gern, wenn er Leute sieht, die er nicht kennt, aber er will auch seine Ruhe. Aber natürlich unterscheiden sich die Menschen schon arg, wenn sie aus Aschaffenburg kommen oder aus dem Chiemgau. Was ich immer mochte, war die Widerständigkeit.

Der sagenumwobene bayerische Anarch. Ich sehe eher eine FC-Bajuwarisierung.

Ich war mal Mitglied beim FC Bayern, bin aber ausgetreten. Das mit dem FC Bayern ist eine extrem eigene Geschichte. Der Verein tut so, als würde ihm München gehören, eher unangenehm. Aber die Stadt hat natürlich noch viele ganz andere Gesichter. Der Oberbürgermeister Dieter Reiter macht hier einen phantastischen Job. Er hat sich in der Flüchtlingsfrage bewährt, er traut sich was, geht nach draußen, duckt sich nicht weg.

Da bin ich daheim: Wie empfinden Sie eigentlich die Dauerwerbesendung, die das Bayerische Fernsehen ausstrahlt?

Das schaue ich nie an. Ich verfolge nur den NDR, denn da sehe ich die Nordsee. Denn wenn ich auf Sylt bin, und das bin ich mindestens einmal im Jahr, geht mir das Herz richtig auf. Ansonsten liebe ich München, meine Heimatstadt. Ich bin einfach kein Landmensch. Insofern habe ich Glück gehabt im Leben.

Das Gespräch führte Hannes Hintermeier.

Weitere Themen

Topmeldungen

Bereits ab 14.00 Uhr könnte die gefühlte Temperatur über 32 Grad liegen, dann herrscht Warnstufe 2. (Archivbild aufgenommen in Berlin)

Deutscher Wetterdienst : Hitzewarnung für Deutschland

Der Deutsche Wetterdienst rechnet ab Montag mit ersten Hitzewarnungen. Ab Mittwoch soll dann ganz Deutschland von einer Hitzewelle erfasst werden. Besonders Kinder, alte und kranke Menschen sind durch die hohen Temperaturen gefährdet.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.