https://www.faz.net/-gr0-a50v1

Literaturauszeichnungen : Georg-Büchner-Preis an Elke Erb verliehen

  • Aktualisiert am

Elke Erb vor der Zeremonie in Darmstadt Bild: EPA

Die Schriftstellerin Elke Erb hat in Darmstadt den Georg-Büchner-Preis entgegengenommen. Wissenschaftliche Literaturpreise gingen außerdem an Iris Radisch und Ute Frevert.

          2 Min.

          Literaturpreisregen im Staatstheater Darmstadt: Der Georg-Büchner-Preis, der Freud-Preis und der Merk-Preis wurden verliehen – wegen der Corona-Pandemie erstmals ohne Publikum. Die Schriftstellerin und Übersetzerin Elke Erb erhielt den Georg-Büchner-Preis 2020 für ihr Lebenswerk. Erbs poetischer Sachverstand, der sich auch in ihren Übersetzungen zeige, habe mehrere Generationen von Dichterinnen und Dichtern in Ost und West beeinflusst, erklärte die Jury der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Der mit 50.000 Euro dotierte Georg-Büchner-Preis gilt als bedeutendste literarische Auszeichnung im deutschen Sprachraum. Die Verleihung fand ohne Publikum statt.

          „Vielleicht ist keine Dichterin so voller Geistesblitze wie Elke“, sagte der Schriftsteller und Übersetzer Hendrik Jackson in seiner Laudatio. Er beschrieb Erbs Vorgehen als ein „Zickzack, manchmal auch zurück, dann wieder zackig und triumphal, aber immer selbst wenn verzwackt, doch mit der Verve präzise gesetzter Verse“.

          Erb verzichtete auf eine Dankesrede und las aus Georg Büchners Drama „Leonce und Lena“. Gerade in diesem Stück sei seine Sprache „das Eigentliche, die von ihm zum Tanzen gebrachten Reden“, sagte sie. „Ich wüsste niemanden, dessen Darstellungen den seinen gleichen.“

          Gedichte und Romane

          Erbs erste Buchveröffentlichungen in der ehemaligen DDR waren „Gutachten, Poesie und Prosa“ (1975) und „Der Faden der Geduld“ (1978). Gemeinsam mit Sascha Anderson gab sie 1985 die Anthologie neuerer Literatur in der DDR „Berührung ist nur eine Randerscheinung“ heraus, die jedoch nur in der Bundesrepublik erscheinen konnte. 1987 veröffentlichte Erb den von der Kritik als epochal bezeichneten Band „Kastanienallee. Texte und Kommentare“. Nach der Wende veröffentlichte die Autorin unter anderem den Band „Der wilde Forst, der tiefe Wald. Auskünfte in Prosa“ (1995) sowie zahlreiche Gedichtbände. Zuletzt erschienen die Textsammlung „Sonnenklar Meins: Das Hündle kam weiter auf drein“ (2018) und der Gedichtband „Gedichtverdacht“ (2019).

          Elke Erb wurde am 18. Februar 1938 in dem kleinen Eifeldorf Scherbach geboren. 1949 übersiedelte sie mit der Familie nach Halle in der DDR. Nach dem Studium der Germanistik, Slawistik und Pädagogik arbeitete sie von 1963 bis 1965 als Lektorin beim Mitteldeutschen Verlag. Seit 1966 ist sie freiberuflich als Schriftstellerin und Übersetzerin vorwiegend aus dem Russischen tätig. Sie wurde vielfach geehrt, unter anderem mit dem Peter-Huchel-Preis 1988, dem Ernst-Jandl-Preis 2013 und dem Mörike-Preis der Stadt Fellbach 2018.

          Der Georg-Büchner-Preis ist nach dem in Darmstadt aufgewachsenen Schriftsteller, Naturwissenschaftler und Freiheitskämpfer Georg Büchner (1813-1837) benannt. Er wurde erstmals 1923 vergeben, im vergangenen Jahr an den Schweizer Schriftsteller Lukas Bärfuss. Weitere Preisträger waren unter anderen Carl Zuckmayer (1929), Anna Seghers (1947), Max Frisch (1958), Günter Grass (1965), Peter Handke (1973), Erich Fried (1987) und Sarah Kirsch (1996).

          Außerdem verlieh die Akademie den mit 20.000 Euro dotierten Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa 2020 an die Berliner Historikerin Ute Frevert. Sie habe in zahlreichen Studien gezeigt, auf welche Weise Emotionen geschichtlich geprägt seien, erklärte die Jury. Frevert ist seit 2008 Direktorin des Berliner Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung, wo sie den Forschungsbereich „Geschichte der Gefühle“ leitet.

          Den ebenfalls mit 20.000 Euro dotierten Johann-Heinrich-Merck-Preis für literarische Kritik und Essay erhielt die Berliner Literaturkritikerin Iris Radisch. „Mit genauem Blick und zugeneigter Aufmerksamkeit“ begleite sie das Schaffen zahlreicher Schriftsteller, lobte die Jury. Radisch leitet seit 2013 gemeinsam mit Adam Soboczynski das Feuilleton der Wochenzeitung „Die Zeit“. Sie gehörte unter anderem zur festen Kritikerrunde des „Literarischen Quartetts“ mit Marcel Reich-Ranicki und Hellmuth Karasek.

          Weitere Themen

          Solo für Rumpelstilzchen

          Ultraschall-Festival : Solo für Rumpelstilzchen

          Ultraschall, das Festival für neue Musik, bleibt auch im Radio ein Faszinosum: Es feiert die menschliche Stimme in ihrer Pracht und entdeckt eine verschüttete Sprache in ihrer ganzen Wucht.

          Ein hochriskanter Migrationsfilm

          Max Ophüls Filmpreis : Ein hochriskanter Migrationsfilm

          Das bedeutendste deutsche Nachwuchsfilmfestival hat dem Kinodrama „Borga“ von York-Fabian Raabe den Max-Ophüls-Preis zuerkannt. Das Werk mobilisiert alle ästhetischen Mittel des Erzählkinos, aber ist das fürs Thema genug?

          Topmeldungen

          Eine überwältigende Mehrheit der Republikaner im Senat steht hinter Donald Trump und hat gegen die Fortsetzung des Amtsenthebungsverfahren gegen ihn gestimmt.

          Verfahren gegen Trump : Fast alle Republikaner im Senat gegen Impeachment

          Nur fünf republikanische Senatoren stimmen mit den 50 Demokraten für den Fortgang des Amtsenthebungsverfahrens gegen den früheren amerikanischen Präsidenten. Die anderen halten es für verfassungswidrig. Damit wird eine Verurteilung extrem unwahrscheinlich.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.