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Gabriele Wohmann zum Achtzigsten : Träume vom Himmel

  • -Aktualisiert am

Daheim in Darmstadt, dahinter mit Hut: Gabriele Wohmann vor einem Foto von früher Bild: dpa

In ihren Romanen und Erzählungen kann sich der kühl sezierende Blick einer klugen Gesellschaftskritikerin unversehens mit der Anteilnahme einer warmherzigen Erzählerin verbinden: Der Autorin Gabriele Wohmann zum Achtzigsten.

          Der Stoff für Geschichten ist ihr noch nie ausgegangen, in rund fünfeinhalb Jahrzehnten nicht. 1958 veröffentlichte Gabriele Wohmann ihre ersten Texte, und seitdem ist es in ihrer Schreibwerkstatt nicht mehr ruhig geblieben. Bis heute erscheinen ihre Bücher in rascher Folge - Romane und Erzählungen vor allem, daneben Hörspiele, Drehbücher, Gedichte. Allen literarischen Moden zum Trotz und offenbar unbehelligt von Schreibblockaden ist Gabriele Wohmann ihrem Lebensthema treu geblieben und entwirft immer wieder aufs neue scharfsinnige Porträts der bürgerlichen Mittelschicht. In ihnen kann sich der kühl sezierende Blick einer klugen Gesellschaftskritikerin unversehens mit der Anteilnahme einer warmherzigen Erzählerin verbinden.

          So hart Gabriele Wohmann mit allen Ideologien ins Gericht geht - seien es die autoritären Familienstrukturen der Nachkriegszeit, die nicht minder starren antiautoritären Fixierungen der 68er-Generation oder der Diät- und Gesundheitswahn unserer Tage - stets gilt ihre Sympathie dem Individuum, das sich und seine Träume allen Beschädigungen zum Trotz zu bewahren versucht. Und da die Verletzlichkeit der Menschen gleich bleibt, die Bedrohungen aber, denen sie ausgesetzt sind, sich beständig verändern können, spiegeln die Bücher von Gabriele Wohmann mit seismographischer Genauigkeit ein halbes Jahrhundert west- und gesamtdeutscher Mentalitätsgeschichte.

          Unermüdliche Chronistin unseres Alltags

          Im Jahr 1974 schilderte sie in „Paulinchen war allein zu Haus“ die Nöte einer sich fortschrittlich gebenden Erziehung, bei der die schützende Nestwärme verlorengeht, dreizehn Jahre später wurde ihr Roman „Der Flötenton“ zum Psychogramm einer von dem Reaktorunglück in Tschernobyl verunsicherten Gesellschaft. Die Katastrophen des Alltags führen Gabriele Wohmann in den vergangenen Jahren immer mehr zu dem, was man in der Sprache der Theologie die „letzten Dinge“ nennt. Behutsam und frei von jeder missionarischen Gewissheit erzählt die Pfarrerstochter in ihren jüngsten Büchern vom Sterben und von der Hoffnung auf ein Jenseits, das Geborgenheit über das Leben hinaus verheißt.

          „Träume vom Himmel“ lautet der Untertitel ihres jüngsten Gesprächsbuches. Wie irdisch solche Träume ausfallen können, zeigen Wohmanns Erinnerungen an die Feste ihrer Kindheit. „Der Geburtstag“, so beschreibt sie es, „war ein Tag, der herausgehoben ist. Man denkt, man läuft mit einer Gloriole um den Kopf rum und ist was ganz Besonderes an diesem Tag, fühlt sich irgendwie ausgezeichnet.“ Auszeichnungen wurden Gabriele Wohmanns Werk im Lauf der Jahre mit allem Recht zuteil, und dass dieser unermüdlichen Chronistin unseres Alltags eine ganz besondere, unverwechselbare Stimme im Chor der Gegenwartsliteratur zu eigen ist, gilt jenseits aller Jubiläumsrhetorik. Wir gratulieren Gabriele Wohmann an diesem Montag zum achtzigsten Geburtstag.

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