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Dichter und Romanautor : Er war Frohburg: Guntram Vesper ist tot

Der Schriftsteller Guntram Vesper im Jahr 2016 Bild: dpa

Mit dem gleichnamigen tausendseitigen Werk über seine Heimatstadt Frohburg kam der Durchbruch: Guntram Vesper schuf einen Gedächtnisort, der bleiben wird. Zum Tod des Schriftstellers.

          3 Min.

          Guntram Vespers letzte Jahre waren ein Triumph, und er begann mit „Frohburg“ – wie alles im Leben von Vesper mit Frohburg begann. Dort wurde der Schriftsteller 1941 geboren, dort lebte er bis zur Flucht seiner Familie aus der DDR im Herbst 1957, dort spielte sich ein Großteil seiner seit 1964 entstehenden Literatur ab. Zwei Bücher trugen sogar jeweils den Namen der sächsischen Kleinstadt als Titel: ein Gedichtband von 1985 und einunddreißig Jahre später der Roman, der ihm den späten Durchbruch beim großen Publikum einbrachte und den Preis der Leipziger Buchmesse. Dass er gerade diese Auszeichnung für „Frohburg“ erhielt, war eine besondere Genugtuung, denn Leipzig war von Frohburg aus die nächste Großstadt, und so war das Leben von Guntram Vesper immer auch mit ihr eng verknüpft. Und was im Leben von Vesper geschah, das wurde Literatur.

          Andreas Platthaus
          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Die Liebe zur sächsischen Heimat war auch nach der Flucht ungebrochen. Sein ganzes Werk steht im Zeichen dieses Verlusts und des Versuchs, diese Heimat zumindest imaginär zurückzugewinnen. Im Roman „Frohburg“ nahm er sich dafür tausend Seiten Platz, auf denen er das Land und das eigene Leben in Kindheit und Jugend wiedererweckte. Das reale Frohburg mit seinen rund 4500 Einwohnern ist darüber zum deutschen Gedächtnisort geworden, und seine Umgebung, jene durch den Braunkohleabbau verwundete, aber vom jungen Vesper bewunderte Tieflandsbucht, der Leipzig den Namen und Frohburg den südlichen Abschluss gibt, ist dank ihm zum literarischen Symbol einer historischen Epoche geworden.

          Vespers Bücher sind geprägt vom Leiden an der deutschen Teilung und dem Glück ihrer Überwindung. Er kehrte zwar nicht mehr dauerhaft aus seiner neuen Wahlheimat Göttingen nach Frohburg zurück, doch die Heimkehr als Schriftsteller erfolgte mit seinem großen Roman, der hierzulande ein Bewusstsein dafür neu erweckte, dass es der Regionalgeschichte gegenüber der großen Historiographie nicht an Dramatik und Bedeutung fehlt. „Nähe, zeitlich, räumlich, in Gedanken, ein Leben lang“ – so beschreibt Vesper in „Frohburg“ das Verhältnis zu seiner Stadt, und das trifft zu, denn schon seine erste Prosaveröffentlichung, der Geschichtenband „Kriegerdenkmal ganz hinten“ von 1970, wählte als Handlungsort ganz überwiegend den aus der Kindheit so vertrauten Ort.

          Das Gespräch über Frohburg hörte nie auf

          Begonnen aber hatte Guntram Vesper als Lyriker, und auch seine Gedichte zeichnen mit demselben Interesse für die konkurrierende objektive und subjektive Geschichtswahrnehmung das Porträt dieser Stadt. Eigene Erinnerungen stehen da neben archivalischen und solchen seiner Familie, in der das Gespräch über Frohburg nie aufgehört hatte. „Kaum hatten wir uns in die grünen Plüschsessel zurückfallen lassen, erzählte ich, was ich seit dem letzten Besuch Neues über Frohburg und die Frohburger aus alten und neuen Zeiten erfahren oder ausgegraben hatte, das Feld konnte wegen der unendlichen Verästelungen, Verzweigungen und Verflechtungen, der vielen Verdeckungen und Verschüttungen nicht größer sein.“ So steht es in „Frohburg“, dem Roman.

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