https://www.faz.net/-gr0-y3xe

Friede für Israel : Reise in ein unheiliges Land

Von der Intifada traumatisiert: Der britische Autor Matt Reynon Rees lebt bei Jerusalem Bild: C. H. Beck

Christen küssen den Felsen von Golgatha, Juden wippen an der Klagemauer, der Ruf des Muezzins schallt durch die Straßen: Jeder in Israel ringt mit diesem Land, das zwischen Religionen umkämpft ist. Und eine Gruppe von jungen Literaten besonders.

          7 Min.

          „Walid the beast“ hat jemand auf die acht Meter hohe Mauer gesprüht, die Bethlehem inzwischen zu drei Vierteln umschließt. Mit Walid sind wir verabredet, um uns von ihm seine palästinensische Heimatstadt zeigen zu lassen. Doch erst, als er leibhaftig vor uns steht, begreifen wir, was mit dem Graffito gemeint ist. Walid sieht tatsächlich zum Fürchten aus, wie ein arabischer Hulk. Der Mann mit Glatze, Bomberjacke und mächtigem Kreuz ist unverkennbar Bodybuilder, „Mister Palestine“ war er einst und viele Jahre Arafats Bodyguard. Andere Männer, die uns an der trostlosen Ecke krümeligen Kaffee, süße Schokolade und Fahrdienste anbieten, weichen zurück, als Walid sich den Weg zu uns bahnt.

          Sandra Kegel

          Verantwortliche Redakteurin für das Feuilleton.

          Suchen muss er uns nicht, weit und breit sind wir die einzigen Fremden. Auch auf der Tour durch Bethlehem begegnen wir kaum einem Ausländer. Nach den Unruhen in Ägypten kommen Touristen noch seltener als zuvor in die Stadt am Rand der Judäischen Wüste, in der Jesus einst vierzig Tage fastete. Viele Hotels und Restaurants sind geschlossen. Quoll der Krippenplatz vor der Geburtskirche Jesu einst über, so ist er jetzt fast menschenleer, vor dem niedrigen Eingang in die heiligste Stätte der Christen gibt es keine Schlange. In den Straßen hängen Kabel, auf Dächern wehen Palästinenserflaggen, von Fassaden lächeln verblasste Bilder von Arafat und Abbas. Entlang der Hügel dieser biblischen Landschaft reihen sich endlos kaputte Häuser und verrottete Rohbauten. Mit Orient-Romantik hat das wenig zu tun.

          Er hatte Arafat noch rechtzeitig verlassen

          Auch uns war bis zuletzt nicht klar, ob wir diesen Teil der Reise antreten würden. Bethlehem liegt nur eine halbe Stunde Autofahrt von Jerusalem entfernt. Doch wer nach der Grenzkontrolle auch noch die dreihundert Meter durch den vergitterten Gang geschafft hat, der weiß, dass diese Entfernung in Kilometern nicht zu messen ist. Nun stehen wir da, vor dem legendären „Griechisch-Orthodoxen Club“, es regnet, und Walid nimmt seine Sonnenbrille noch immer nicht ab. Der Club ist mit Brettern vernagelt. Die Besitzer, palästinensische Christen, haben sich vor den Schikanen ihrer muslimischen Nachbarn vor Jahren schon nach Chile abgesetzt wie fast alle palästinensischen Christen, die 1950 noch neunzig Prozent der Bevölkerung ausmachten. Auch liegt der Club genau an jener Ecke, an der Märtyrerbrigaden während der Zweiten Intifada auf die jüdische Siedlung Gilo schossen, die direkt auf der gegenüberliegenden Seite des Tals liegt - die Israelis schossen mit Raketen zurück. Noch immer sehen die meisten Häuser wie riesige Zahnstummel aus, braun und durchlöchert.

          Weitere Themen

          Eine Bühne für Putin

          Auschwitz-Gedenken in Israel : Eine Bühne für Putin

          In Jerusalem erinnert das erste „Welt-Holocaust-Forum“ an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz. Ohne politische Verwerfungen läuft das nicht ab – ein russischer Oligarch spielt dabei eine pikante Rolle.

          So soll Trumps Friedensplan aussehen

          Nahostkonflikt : So soll Trumps Friedensplan aussehen

          Amerikas Präsident lädt Israels Ministerpräsident Netanjahu und Oppositionsführer Gantz ins Weiße Haus ein. Dort will er seinen Friedensplan diskutieren – damit verfolgt er auch innenpolitische Ziele.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.