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Freiheitspreis : Der Bekenner: Frankfurt feiert Mario Vargas Llosa

  • -Aktualisiert am

Bild: REUTERS

Gut für die Literatur, dass dieser Mann nicht Präsident geworden ist: Mario Vargas Llosa hat in der Frankfurter Paulskirche den Freiheitspreis der Friedrich-Naumann-Stiftung für sein standhaftes „Bekenntnis zu Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Marktwirtschaft“ erhalten.

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          Freiheit ist ein Erfrischungsgetränk. Wer wissen will, wie sie schmeckt, sollte ein Glas Kola Real probieren, wenn er Südamerika bereist. Denn diese Limonade, die vor zwanzig Jahren in einer der ärmsten Gegenden Perus von einem gewissen Jorge Añaño entwickelt und von seiner Familie in der Küche des Hauses in Ayacucho abgefüllt wurde, hat seither den Durst von Millionen Menschen gestillt - nicht nach Zuckerwasser, sondern nach Veränderung. Der Zauber des Tranks lag in der Erkenntnis: Das, was ist, kann anders werden.

          Freiheit geht den meisten Menschen leicht über die Zunge. Dazu beizutragen, dass sie ihnen auch zu Kopfe steigt, ist die Hoffnung einer Literatur, die Engagement nicht mit Ideologien, sondern mit Überzeugungen verbindet. Mario Vargas Llosa, einer ihrer bedeutendsten Vertreter, erhielt am Samstag in der Frankfurter Paulskirche den Freiheitspreis der Friedrich-Naumann-Stiftung für sein standhaftes „Bekenntnis zu Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Marktwirtschaft“.

          In seiner Dankesrede erzählte der Schriftsteller die Añaño-Sage als Beleg dafür, dass Armut auch in Zeiten der Globalisierung besiegbar sei, wenn die Demokratie die politische wie die wirtschaftliche Freiheit achte. Mit Blick auf die Finanzkrise bekräftigte er seine Auffassung, dass der Staat mit Gesetzen für einen sauberen Wettbewerb sorgen muss, damit die Marktwirtschaft nicht in eine darwinistische Schlacht ausartet, in der die Freiheit der Wölfe den Tod aller Lämmer bedeutet, wie Isaiah Berlin es ausdrückte.

          Vom Geschmack der Freiheit: Mario Vargas Llosa während seiner Dankesrede
          Vom Geschmack der Freiheit: Mario Vargas Llosa während seiner Dankesrede : Bild: F.A.Z.-Wonge Bergmann

          Worte gegen Worte

          Dass Freiheit nicht nur der populäre Geschmack einer zunächst in Eigenregie hergestellten Limonade in einem Andendorf sein kann, dessen Zufahrtswege von Mitgliedern des „Leuchtenden Pfads“ kontrolliert werden, sondern erst recht die Lektüre von Romanen, die sich mit ihren Schilderungen gegen die abgeschottete Wirklichkeit von Diktaturen auflehnen, machte Frank Schirrmacher, Mitherausgeber dieser Zeitung, in seiner Laudatio deutlich. Seit seinem ersten Roman „Die Stadt und die Hunde“ von 1962 habe Mario Vargas Llosa bewiesen, dass „Worte etwas gegen Worte ausrichten könnten“. Immer wieder habe er vor sich anbahnenden Diktaturen noch „im Zustand der Verpuppung“ gewarnt. Er sei stets ein „Autor des Individuums“ und ein „Verteidiger seiner individuellen Freiheiten“ gewesen.

          Auch in den Jahren 1960 bis 1989, als nur wenige Schriftsteller den Mut gehabt hätten, die „bequeme Teilung“ in Gut und Böse, West und Ost, Kapitalismus und Sozialismus in Frage zu stellen, habe Mario Vargas Llosa sich von keiner der Ideologien und kollektiven Heilsversprechen anstecken lassen. „Es ist ein Unglück und ein Ergebnis der Talkshowdemokratie, dass der Liberalismus in Deutschland seit Jahren nur als Wirtschaftsliberalismus wahrgenommen wird“, sagte Schirrmacher. „Dass der Markt alles regelt, diese Vorstellung, so Vargas Llosa, wird von keinem der großen liberalen Vordenker geteilt.“ Der richtig verstandene Liberalismus im Sinne Vargas Llosas sei der Selbstkritik verpflichtet.

          Ob in wirtschaftlicher, politischer oder literarischer Hinsicht: Freiheit beginnt mit der Vorstellung von etwas Besserem. Ergiebiger, als sich mit Wolfgang Gerhardt, dem Vorstandsvorsitzenden der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, zu fragen, wie anders es Peru ergangen wäre, wenn Vargas Llosa statt Fujimori im Jahr 1990 Präsident seines Landes geworden wäre, scheint es denn auch, sich etwa bei der Lektüre von „Das Fest des Ziegenbocks“ (2000) oder „Das böse Mädchen“ (2006) selbst die Frage zu beantworten, um wie viel ärmer die spanischsprachige Literatur im Falle eines Wahlsiegs von Mario Vargas Llosa heute wäre.

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