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Frankfurts erster Zoo : Neben den Westend-Villen seufzen die Kapuzineraffen

Einst im Besitz von Justin Bieber, spielt das Kapuzineräffchen Mally nun im Serengeti-Park in Hodenhagen. Bild: AFP

Frankfurts Zoogeschichte hat Überraschendes zu bieten: Nicht nur seltene und gefährliche Tiere, sondern auch einen berühmten Dichter auf Durchreise

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          Hochhäuser mit gläsernen Fassaden, dazwischen ein paar übrig gebliebene Mehrfamilienhäuser aus dem neunzehnten Jahrhundert, ein bisschen Grün, das Ankündigungsschild eines japanisches Restaurants, ein Gebäude mit der Aufschrift „Deutsches Haus“ und, etwas zurückgesetzt von der Straße, eine „Akademie für Kleinkinder“ – wer sich im Frankfurter Westend im Areal zwischen der Bockenheimer Landstraße, Liebigstraße, Unterlindau und Staufenstraße bewegt, dem begegnet eine seltsame architektonische Mischung aus ambitionierten und schmucklosen Bauten, aus Großbürgerstolz und Nützlichkeitsdenken, aus dem wenigen, was der Krieg und die Abrisswut der frühen Bundesrepublik hier übrig gelassen haben, und dem, was in den Lücken neu entstanden ist mit der Maxime, den Raum in einem der teuersten Viertel Frankfurts möglichst effizient auszunutzen.

          Tilman Spreckelsen

          Redakteur im Feuilleton.

          Das war einmal anders: Die Nordseite der Bockenheimer Landstraße, vor den Toren Frankfurts gelegen, war Mitte des neunzehnten Jahrhunderts ein Ort großzügiger, frei stehender Villen mit ausgedehnten Gärten. Hinter ihnen hörte die Stadt einfach auf, Felder und Wiesen schlossen sich an, bis ein ganzes Stück weiter mitten im Grünen die 1864 eröffnete „Anstalt für Irre und Epileptische“ kam, geleitet vom Arzt und „Struwwelpeter“-Autor Heinrich Hoffmann. Und am Horizont der Taunus.

          Frankfurt als Zoo-Pionier

          Eines der größten Grundstücke dieser Straßenseite aber war nicht von reichen Bürgern bewohnt, sondern von exotischen Tieren – hier wurde am 8. August 1858 im ehemaligen Leer’schen Garten auf einer Fläche von fünfzehn Morgen der erste Frankfurter Zoo eröffnet, initiiert und finanziert von einer Gruppe Honoratioren der Stadt. Damit betraten sie Neuland, denn kaum eine europäische Großstadt verfügte damals über eine ähnliche Einrichtung. Kurz darauf kam es allerdings zu einer regelrechten Welle von Zoogründungen, etwa in Metropolen wie Köln (1860), Dresden (1861) und Hamburg (1862). Frankfurts zoologische Pionierrolle zeigte sich auch in einer Zeitschriftengründung im Selbstverlag: „Der Zoologische Garten. Zeitschrift für Beobachtung, Pflege und Zucht der Thiere“, so hieß das monatliche „gemeinsame Organ für Deutschland und angrenzende Gebiete“, das sich auf der Grenze zwischen populärer Darstellung und Wissenschaft bewegte und immer wieder Artikel zur angestrebten Akklimatisierung exotischer Tiere in mitteleuropäischen zoologischen Gärten publizierte.

          Das Gelände war kurz zuvor vom Städelschen Institut ersteigert worden, nur erschien es vielen seiner Mitglieder nicht recht geeignet als neuer Standort für eine Kunstgalerie. Als das Gründungskomitee des Zoos anfragte, das Areal auf eine Dauer von zehn Jahren zu pachten, willigte das Kunstinstitut ein und war nach Ablauf der Pacht zu einer Verlängerung um weitere fünf Jahre bereit.

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