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Frankfurts erster Zoo : Neben den Westend-Villen seufzen die Kapuzineraffen

Tierschau im alten Frankfurter Zoo an der Bockenheimer Landstraße, um 1860
Tierschau im alten Frankfurter Zoo an der Bockenheimer Landstraße, um 1860 : Bild: Institut für Stadtgeschichte Frankfurt

Ein Zugeständnis der Zoogründer an die Nachbarn in ihren Villen war das Versprechen, keine gefährlichen Fleischfresser zu beherbergen. Also begann man, wie Christoph Scherpner in seinem Buch „Von Bürgern für Bürger“ zur Frankfurter Zoogeschichte schreibt, mit Affen, Braun- und Eisbären, Zebras, Gazellen, Vögeln, Amphibien und Reptilien: „Der Tierbestand zum Jahresende 1858 ist uns überliefert mit 589 Tieren in 151 Tierarten, darunter 139 Säugetiere in 45 Arten.“Drei Jahre später ist in einem Zeitungsartikel von Eulen und einem Weißkopfseeadler die Rede, von „gutmütig, fast melancholisch seufzenden Kapuzineraffen“, Nasenbären, Gürteltieren, Kängurus, Kamelen und Alligatoren. Etwa zehn Prozent der Tiere starben jährlich; zugleich wurden etliche im Zoo geborene oder geschlüpfte an andere Einrichtungen und auch an Privatleute verkauft.

Zwei Jahre nach der Eröffnung durften dann doch noch gefährliche Tiere wie Leoparden, Löwen und Wölfe gehalten werden, auch eine Giraffe und ein Elefant folgten und trugen dazu bei, dass der Zoo seine Besucherzahl bis 1863 auf jährlich 100 000 Personen brachte, nicht eingerechnet Familien und Dauerkartenbesitzer. In Frankfurt lebten damals etwa 80 000 Menschen.

Theodor Storm hört ein Konzert

„Unser Garten hat einen gewissen Ruhm erlangt und alle Fremden besuchen ihn“, schreibt Hermann Mumm, Mitglied im Verwaltungsrat des Zoos, 1865. Einer dieser Fremden war Theodor Storm. Im Spätsommer 1865 brach der Autor, dessen Frau Constanze kurz zuvor nach neunzehnjähriger Ehe im Kindbett gestorben war, von Husum aus zu einer Reise in den Süden auf – er wollte in Baden-Baden den russischen Dichter Iwan Turgenjew treffen und unterwegs alte Freunde besuchen. Wie auf der Hinfahrt machte er auch auf dem Rückweg am 13. September, einem Mittwoch, Station in Frankfurt. Er kam am Main-Neckar-Bahnhof an und blieb über Nacht bei Tycho Mommsen, seinem Jugendfreund aus Kieler Studententagen, der in Frankfurt seit dem Vorjahr das städtische Gymnasium leitete und mit seiner vielköpfigen Familie in einer Dienstwohnung im heruntergekommenen Arnsburger Hof lebte.

Weil Mommsen „viel zu tun hatte“, schreibt Storm, „ging ich nach dem zoologischen Garten, wo ich die schöne Welt Frankfurts, die aber sehr gegen die Baden-Badensche abfiel, bei Konzert versammelt fand“ – wahrscheinlich handelte es sich bei den Musikern um eine der Militärkapellen, die in der Stadt stationiert waren, bevor sie ein Jahr später preußisch wurde. Storm zahlte 30 Kreuzer für den Eintritt und betrat den Zoo an der Ecke der Bockenheimer Landstraße zur Unterlindau. Unter den kürzlich erworbenen Tieren waren zwei männliche Bengalkatzen, eingeführt direkt aus Java, und ein Hechtskopf-Alligator. Dagegen beklagte man den Verlust einer Zwergziege, die an Lungentuberkulose gestorben war, einer an Fettleber verendeten Wildkatze und eines Pinselkängurus (die Obduktion ergab Blut in den Lungen).

Storm fuhr am nächsten Morgen, seinem 48. Geburtstag, mit dem Schiff von Mainz nach Köln und besuchte den dortigen Zoo, der ihn noch mehr beeindruckte als der Frankfurter. Dieser, von vornherein als Provisorium angelegt, wurde nach langer Standortsuche – auch eine Fläche im Stadtwald kam in Betracht – im Frühjahr 1874 auf die Pfingstweide im Osten der Stadt verlegt, wo er noch heute zu besuchen ist.

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