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„Feuchtgebiete“ auf Englisch : Britische Kritiker amüsieren sich über „Wetlands“

  • -Aktualisiert am

In England fiel die Kritik auf „Feuchtgebiete” („Wetlands”) anders aus als in Deutschland Bild: ddp

Hierzulande hat ihr Buch eine hitzige Debatte über die Sexualität der Frau provoziert, in Großbritannien nimmt man es gelassen: Charlotte Roches „Feuchtgebiete“ ist auf Englisch erschienen und die Kritker amüsieren sich über den „sehr deutschen“ Roman.

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          Wenn eine Frau, die „wie eine Elfe“ aussieht und in ihrem Auftreten mal einer „sittsamen Bibliothekarin“, mal einer „entrückten Gräfin“ gleicht, ein Buch schreibt, das vor Wörtern wie „Rektalgoulasch“ nur so strotzt, haben wir dann einen neuen Feminismus oder eher plakative Ekelliteratur vor uns? In Großbritannien, einem Land, in dem nicht nur die erste radikal feministische Bewegung, die der „Suffragettes“, sondern auch die provokante Gestik des „Punk“ entstand, fällt die Antwort anders aus als in Deutschland. Zwar wird „Wetlands“ auch von der britischen Presse gemischt besprochen, doch ist die Kritik anders gemischt als die der deutschen.

          Feuchtgebiete „verklemmt“?

          Die erste Welle der Rezensionen lobte das detaillierte Darstellen intimster Körperfunktionen als befreiend: Roche lenke den Blick auf den weiblichen Körper, der eben nicht immer hübsch, sondern manchmal auch, wie im Fall der Hauptfigur Helen, „hämorrhoidenbedeckt“ sei. Zwar handele es sich nicht um erotische Literatur, doch verfolge Roche mit ihrer schonungslosen Sichtweise ein ernsthaftes feministisches Programm, befand der „Guardian“, auch wenn sie sich selbst wohl der Tradition, in die sie sich einreihe, nicht bewusst sei, so die „Times“.

          Eine Szene aus der Theaterinszenierung von „Feuchtgebiete”
          Eine Szene aus der Theaterinszenierung von „Feuchtgebiete” : Bild: picture-alliance/ dpa

          Dem widersprach der „New Statesman“: Ein Manifest für den Feminismus im einundzwanzigsten Jahrhundert habe Roche nicht geschrieben, sondern eine „tabubrechende schwarze Komödie“. Der konservative „Spectator“ hielt dagegen, der Roman habe mit sexuell befreiten Frauen rein gar nichts zu tun, sondern erschaffe eine Welt von „viktorianischer Verklemmtheit“.

          Die Sexbomben-Werferin

          Doch dies wäre keine britische Literaturkritik, würden die Diskussion um das Buch selbst nicht von Amüsement über die deutsche Theorieschwere begleitet. In einem Land, in dem man erst dann etwas gelte, wenn man mindestens ein Buch geschrieben habe, sei es doch nur verständlich, dass sich eine ehemalige Fernsehmoderatorin nun in die Reihe großer deutscher Dichter stellen wolle.

          Musil schuf den „Mann ohne Eigenschaften“, Roche bringt uns die „Frau ohne Unterhosen“, spottete der „Observer“. Überhaupt: In der Betonung der Natürlichkeit aller Körperfunktionen sei „Wetlands“ sehr deutsch - als Brite solle man froh sein, dass die Deutschen im Urlaub ihre Sonnenliegen nur mit Handtüchern und nicht mit etwas anderem reservierten.

          Es war Charlotte Roche selbst, die als deutschenglische Autorin der Diskussion ihre erwartbar klischeehaften Züge nahm. In einem Interview mit der Literaturzeitschrift „Granta“ sagte sie, so mancher mutmaße, der Zweite Weltkrieg sei noch gar nicht vorbei, die Alliierten ließen ihre Nachkommen nun einfach pornographische Propaganda schreiben, um die Deutschen zu verwirren: „Was für ein Bild - ich werfe über Deutschland Sexbomben ab, die in den Köpfen der Leute landen.“

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