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Faltkarte mit den Wegen des Dichters : Wo Goethe sich so herumtrieb

Besonders reiselustig war er nicht: Goethe in einer Gipsplastik des Bildhauers Adolf von Donndorf (1835-1916). Bild: dpa

Ein Buch-Symbol auf der Karte zeigt an, wo ein Werk entstand, eine rote Damensilhouette verweist auf eine Geliebte: Eine neue Faltkarte zeigt, wo es den berühmtesten aller deutschen Dichter hinzog.

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          Goethes Lebensfläche beträgt etwa einen Quadratmeter. So viel Raum stellen Vorder- und Rückseite des jetzt erschienenen „Goethe-Atlas“ des Kalimedia Verlags zur Verfügung, ein zum klassischen Falk-Format gefalteter Bogen, der Kartenmaterial zu den Lebensstationen des berühmtesten aller deutschen Dichter bietet. Goethe war kein besonders reisefreudiger Mensch. Die Grenzen des Deutschen Reiches überschritt er zum ersten Mal zwar schon mit zwanzig, als er zum Jurastudium nach Straßburg ging, aber das war ja noch deutschsprachiges Gebiet und somit alles andere als ein Abenteuer. Erst mit siebenunddreißig reiste er nach Italien, wo er dann allerdings gleich für fast zwei Jahre blieb.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Nachdem Goethe beim vierten Ausflug über die deutschen Grenzen - 1792 als Kriegskommissar mit seinem Herzog nach Valmy, um dort das französische Revolutionsheer zu bekämpfen; zwei Jahre zuvor hatte er kurz nach Polen hineingeschnuppert - einer schweren militärischen Schlappe beiwohnen musste, blieb er trotz dem Bewusstsein, dabei Weltgeschichte erlebt zu haben, fortan lieber daheim und dichtete redlich. Einmal noch ging es in die Schweiz, ansonsten wurden mit zunehmendem Alter böhmische Bäder seine bevorzugten Reiseziele, aber die lagen ja auch noch im Reich.

          Kanonen als Signets

          So ist denn auch die Mitteleuropakarte des „Goethe-Atlas“ nur rund um Weimar mit einem dichten Netz von Reise- und Ausflugsrouten überzogen. Nördlicher als bis Tegel bei Berlin kam er nie, Krakau war der östlichste Punkt, Valmy der westlichste. Nur für den Süden (Goethe kam bis Girgenti auf Sizilien) reicht der Kartenausschnitt nicht mehr aus, deshalb gibt es auf der anderen Seite des Atlas-Posters eine Italien-Landkarte, die mit denselben Symbolen bestückt ist: Ein Buch verweist auf ein vor Ort entstandenes Werk, eine Herrensilhouette auf eine dort geschlossene wichtige Männerfreundschaft, eine schwarze Damensilhouette auf eine wichtige Damenbekanntschaft und eine rote Version auf eine Geliebte. Immerhin achtzehnmal findet man das entsprechende Symbol: viermal allein in und um Frankfurt, zwei Mal in Jena, sowie je einmal in Leipzig, Sesenheim, Wetzlar, Ehrenbreitstein, Worms, Heidelberg, natürlich Weimar, Kochberg, Carlsbad, Marienbad, Rom und Zürich.

          Achtzehn rote Damensilhouetten, fünf Kanonen für von Goethe erlebte Schlachten: Ausschnitt aus der Kalimedia-Karte
          Achtzehn rote Damensilhouetten, fünf Kanonen für von Goethe erlebte Schlachten: Ausschnitt aus der Kalimedia-Karte : Bild: Kalimedia

          Kanonen als Signets für von Goethe erlebte Schlachten dagegen gibt es nur fünf, und die für die Völkerschlacht vom Oktober 1813 ist überflüssig, denn der Geheimrat saß damals während des Kampfgeschehens in Weimar und erlebte die beiden Heere später nur auf der Flucht (Franzosen) beziehungsweise als Verfolger (Russen, Preußen und Österreicher).

          Mehr als ein Quadratmeter

          Aber die eigenen Goethe-Kenntnisse mit den Karteneinträgen abzugleichen macht das Vergnügen dieses Werks aus. Zumal es ins Detail geht: mit einer kleiner skalierten Karte des Herzogtums Sachsen-Weimar, einem Stadtplan von Weimar und als größter Abbildung des Konvoluts einem historischen Innenstadtplan von Goethes Geburtsstadt Frankfurt. Vernachlässigbar ist dagegen der mikroskopische Rom-Plan, der nur das Stadtviertel um Goethes Domizil am Corso umfasst. Auf den meisten Karten sind etwas neckisch historische Ansichten besonders markanter Orte in güldenen Rahmen eingestreut, und es gibt ein Ortsregister, dem man sowohl die Lage der Lebensstationen auf den Plänen wie die individuelle Aufschlüsselung der bei ihnen eingetragenen Symbole entnehmen kann.

          Die insgesamt sieben Karten bedecken beide Seiten des 1,20 Meter breiten und vierzig Zentimeter hohen Posters, das sich hervorragend an der Wand über einem Schreibtisch anbringen lässt - deshalb ist der „Goethe-Atlas“ nicht nur als Faltblatt, sondern auch ungeknickt als gerolltes Exemplar erhältlich (jeweils für 14,90 Euro). Und unter www.goethe-atlas.de ist das ganze Material auch noch interaktiv aufbereitet. Da findet manches Platz, das gedruckt auch auf insgesamt einem Quadratmeter Lebensfläche nicht unterzubringen war.

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