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Bildband über Armut in Amerika : Die Unsichtbaren unter uns

  • -Aktualisiert am

Mehr als zwölf Prozent der Amerikaner leben unterhalb der Armutsgrenze: Fotografie aus dem Band „Dignity“ Bild: Chris Arnade

Einen Banker von der Wall Street zog es erst in die Bronx, dann änderte er sein Leben: Sein Fotoband „Dignity“ porträtiert das Amerika der Armen und Abgehängten – eine Begegnung mit Chris Arnade.

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          Alles fing mit den Tauben an. Taubenschwärme, die Menschen auf den Dächern von New York züchten. „Die Tauben sind wie Kunst, und sie haben mir den Weg in die Bronx gezeigt“, sagt Chris Arnade. Aus seiner noblen Nachbarschaft in Brooklyn Heights führten ihn lange Spaziergänge in die Bronx – und die Tauben führten ihn zu den Menschen. In Hunts Point, der ärmsten Gegend des Stadtteils, fing er vor mehr als zehn Jahren an, zu fotografieren und den Anwohnern zuzuhören. Der vierundfünfzigjährige Amerikaner war zwanzig Jahre lang Banker und verdiente viel Geld an der Wall Street. Ein Leben in der „vorderen Reihe“, wie er es nennt, dort, wo sich alles um Geld und Diplome drehe. Sein erster Fotoband, „Dignity“, der im Juni in Amerika bei Penguin Random House erschienen ist, handelt davon, wie Chris Arnade immer mehr Menschen aus der „hinteren Reihe“ traf und wie diese auch sein eigenes Leben veränderten.

          Die langen Spaziergänge durch die Bronx, sie waren am Anfang zum Stressabbau da, vielleicht hielten sie auch die Langeweile in Schach. „Die Kinder wurden älter, ich nahm meinen Job weniger ernst, ich hatte mehr Freiheit“, erzählt Arnade. Mit seiner Frau und drei Kindern lebte er in einem großen Haus, es fehlte an nichts. Nach der Finanzkrise 2008 blieb er immer länger in Hunts Point. „Ich hatte gerade erlebt, wohin uns unser Größenwahn, mein eigener eingeschlossen, geführt hatte, was er unser Land gekostet hatte“, beschreibt er die Zeit nach dem Zusammenbruch des amerikanischen Immobilienmarkts. Auch heute lebt die Familie in einem großen Haus, aber dieses befindet sich im Wald, zwei Autostunden nördlich von New York. Hierher sind die Arnades vor fünf Jahren gezogen, weil aus seinem Hobby eine Mission wurde und er am Ende beschloss, kein Banker mehr sein zu wollen.

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