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Die Rom-Krimis von John Maddox Roberts : Der spinnt, dieser Decius!

Decius Caecilius Metellus ist ein plebejischer Adliger, der im Rom der späten Republik Mordfälle aufklärt und mit all den großen Geschichtsbuchgestalten wie Caesar, Cicero oder Cato bekannt ist. Über den Schriftsteller John Maddox Roberts und seine Kriminalromane aus dem alten Rom.

          „Die Straßen waren schwarz nicht vom Dunkel der Nacht allein“, so hat Raymond Chandler mal die besondere Finsternis der Schwarzen Serie beschrieben, und wenn man auch nie recht verstanden hat, wie das gemeint war, bei John Maddox Roberts leuchtet es einem sofort ein. In einer Stadt ohne Elektrizität, ohne Laternen und ohne Polizei, mit engen Gassen, durch die nicht einmal ein Pferdefuhrwerk passt, in denen man überall in Abfälle und Exkremente tritt, wo Diebe, Schläger und Banden sich herumtreiben und politische Fehden im Schutze der Dunkelheit ausgetragen werden, im Rom des ersten Jahrhunderts vor Christus also, da hat Schwarz auch diese ganz besondere Tönung.

          Peter Körte

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Der Amerikaner Roberts, 61, schickt jedoch keinen antiken Marlowe auf die Via Appia oder in die Subura, sondern einen plebejischen Adligen, Decius Caecilius Metellus – den es, im Gegensatz zur mächtigen Familie der Caecilii Metelli, nie gegeben hat. Er lässt ihn im Rom der späten Republik Mordfälle aufklären: einen Mann mit einer exzentrischen Begabung und einen Mann seiner Zeit, der die standesübliche Ämterlaufbahn absolviert und mit all den großen Geschichtsbuchgestalten wie Caesar, Pompeius, Clodius, Cicero, Sallust oder Cato bekannt ist.

          Roberts ist zwar nicht der Erste, der einen Kriminalroman ins alte Rom verlegt hat, aber er ist der Beste. Besser als die Britin Lindsey Davis, deren Detektiv Marcus Didius Falco zur Zeit Vespasians ermittelt, besser als der Amerikaner Steven Saylor, der einen Detektiv namens Gordianus im republikanischen Rom schnüffeln lässt – weil Roberts nicht einfach ein Genreschema auf eine ferne Zeit anwendet. Vermutlich hat es ihm genützt, dass er, nach abgebrochenem College und Militärdienst bei den Green Berets, anfing, Science-Fiction-Romane zu schreiben, bis ihn eines Tages seine Agentin anrief und fragte: „Hast du nicht mal etwas ganz anderes?“ Roberts kramte in seinen Unterlagen und fand einen Entwurf über einen Mord im alten Rom. Er überarbeitete und erweiterte ihn, schickte ihn ab – und der Verlag wollte gleich eine Serie.

          Tod in der Toga

          13 Romane sind seit 1990 erschienen, unter dem Kürzel SPQR, das noch heute auf jedem Gullideckel in Rom zu lesen ist, die Abkürzung für Senatus populusque Romanus, und die Antikenkrimis wurden in 13 Sprachen übersetzt. Alte Geschichte, sagt Roberts im Gespräch, habe ihn seit seiner Kindheit fasziniert, auch wenn er nie Latein gelernt habe. Er hat Hollywoods Sandalenfilme der fünfziger Jahre geliebt, außerdem war seine Mutter Lateinlehrerin – „vermutlich habe ich da durch Osmose einiges aufgenommen“. Für die Serie hat er sich auf der Zeitachse einfach rückwärts bewegt, und wer ein bisschen über alte Geschichte Bescheid weiß, der weiß auch, dass die riesigen Lücken, welche die verschiedenen Überreste und Quellen lassen, von Historikern so viel Phantasie verlangen wie eine Reise in die Zukunft.

          Er habe sich immer bemüht, sagt Roberts, „aus Decius keinen Mann von heute in Toga und Tunika zu machen“ und „keine konventionellen Kriminalfälle vor antiken Kulissen“ zu erzählen. Die Plots gehen meist aus den politischen Verwicklungen der Zeit hervor, und es gibt keinen Roman, in dem Decius nicht bald auf politische Durchstechereien und Intrigen hinter einem Mord stößt. Er gerät zwischen die Fronten, muss um sein Leben fürchten, und er streitet sich mit seiner Familie, die seinen Starrsinn unstandesgemäß findet.

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