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Niederbayerische Lyrik : „Hoib Zucker, hoib Herz“

  • -Aktualisiert am

Naturverbunden: die Lyrikerin und Romanautorin Verena Ullmann Bild: Tobias Schmitt

Verena Ullmann dichtet konsequent Niederbayerisch. Das mag ihr Publikum amüsieren, ist ihr selbst aber absolut ernst. Über eine, die mit dem Klang des Dialekts spielt.

          3 Min.

          Es gibt Themen, die der Literatur fast automatisch zufliegen, weil sie die nötige Fallhöhe mitbringen. Die Liebe etwa ist genauso wenig aus Dramen, Romanen und Gedichten wegzudenken wie der Krieg oder das Böse. Auf der anderen Seite existieren einige Problemsujets, die, sobald sie sich zwischen zwei Buchdeckeln finden, mitunter reflexartigen Argwohn auslösen. So wird der detaillierten Natur- und Wetterbeschreibung spätestens seit Adalbert Stifter oft vorgeworfen, naiv oder langweilig zu sein. Bis heute hat die im angelsächsischen Sprachraum große Tradition des „Nature Writing“ keine Chance in Deutschland. Da hilft es auch nichts, dass der Wolkenfan Goethe gewissenhaft notierte, was sich alles am Himmel abspielte, dass die Witterung in Erzählungen des 19. Jahrhunderts zum Stimmungsindikator Nummer eins avancierte und dass Wolf Haas solche Sätze zu Papier brachte: „Kein Mensch ist auf Dauer so interessant wie das Wetter.“

          Die Autorin Verena Ullmann kümmert sich nicht um derartige Qualitätszuschreibungen. Lieber zieht sie in ihrem Lyrikband „Wedafest“ (Allitera Verlag) Verbindungslinien zwischen Wetter und Romantik, Donner und Sehnsucht, Glatteis und Sprachlosigkeit. Banales klingt bei ihr häufig existentiell, Existentielles immer wieder banal. Sie sagt, das Wetter habe sich in ihre Lyrik gewissermaßen durch die Hintertür reingeschlichen, um als Lieferant treffsicherer Symbole hervorzutreten. „Beziehungen, Liebe, Wetter: Für mich ist das alles eine Stimmung. Die Gedichte bilden verschiedene Phasen der Partnerschaft ab. Deswegen geht es auch um verschiedene Wetterphasen. Die Wechselhaftigkeit, die Unbeständigkeit und die Übergänge von einem zum anderen – darum ging es mir.“

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