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Donna Tartt im Gespräch : Niemand kommt hier lebend raus

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Ist ein neues Werk erschienen, unternimmt Donna Tartt alles dafür, um ihm zum Erfolg zu verhelfen. Dann aber will sie auch wieder in Ruhe gelassen werden und arbeiten. Bild: Fred R. Conrad / The New York Times

Die Autorin Donna Tartt verrät die Maxime, der sie bei der Arbeit an ihrem Weltbestseller „Der Distelfink“ folgte: „Nur was mich selbst überrascht, überrascht auch meine Leser.“

          „Das ist ja lächerlich“, sagt Donna Tartt und räumt schwungvoll die Blumen beiseite, die ihr den Blick auf ihren Gesprächspartner verstellen. Das Interview mit der amerikanischen Schriftstellerin findet kurz vor ihrem Auftritt bei der lit.Cologne statt. Schon an dieser ersten Reaktion wird deutlich, dass einem hier eine Frau gegenübersitzt, die gern jederzeit die Kontrolle behält: Donna Tartt, deren Porzellanteint nichts Zerbrechliches hat, sondern etwas kühl Elegantes, weiß ganz genau, was sie tut, will und sagt. Forsch und kompromisslos sind auch ihre Antworten.

          Der Roman „Der Distelfink“, an dem Donna Tartt ein ganzes Jahrzehnt gearbeitet hat, ist vor wenigen Wochen erschienen und erstürmt weltweit die Bestsellerlisten. Erzählt werden vierzehn Jahre aus dem Leben von Theo Decker, der als Jugendlicher bei einem Terroranschlag auf das Metropolitan Museum of Art seine alleinerziehende Mutter verliert und plötzlich erwachsen werden muss. Zahlreiche Prüfungen hält das Leben für ihn bereit, die er zum Teil nur besteht, weil er in den Wirren des Anschlags das Meisterwerk „Der Distelfink“ des Rembrandtschülers Carel Fabritius entwendet hat: Sein Anblick gibt dem Jungen die Gewissheit, dass Vollkommenheit in der Welt existiert.

          Frau Tartt, es ging durch die Presse, dass der „Distelfink“ nun verfilmt werden soll.

          Falsch. Die Meldung stimmt nicht.

          Dabei schien es einleuchtend, ähnelt die Dramaturgie Ihres Romans doch ein wenig der Erzählweise moderner Fernsehserien: Der Held wird in einer eindrücklichen Pilotfolge eingeführt; es gibt nur einen Haupterzählstrang, aber an diesem sind Einzelabenteuer aufgereiht. Die Kapitel könnten Episoden entsprechen, die Großkapitel Staffeln.

          Ich glaube, das stellt die Dinge irgendwie auf den Kopf. Dass Serien wie „Mad Men“ oder „Breaking Bad“ so populär sind, liegt ja daran, dass sie Romane imitieren.

          Das stimmt sicher. Und doch hat man eine solche Konsequenz, mit der Sie dem immer verschatteteren Lebensweg Ihrer Hauptfigur Theo folgen, zuletzt eher in Fernseherzählungen antreffen können.

          Aber das ist doch eine der ältesten Erzähltraditionen überhaupt, dem Helden nicht nur beim Aufstieg zu folgen, sondern während er fällt. Denken Sie an den „Ödipus“ des Sophokles.

          Ich gebe mich geschlagen. Und versuche es viktorianisch noch einmal: Waisenkinder, Diebe, Abenteuer, da drückte man Ihrem Roman schnell den Charles- Dickens-Stempel auf. Sind Sie damit glücklich?

          Wer wäre es nicht? Dickens ist einer der Autoren, die ich am meisten liebe. Alles, was er machte, beherrschte er perfekt: Humor, Plot, Detailreichtum, Spannung, historische Präzision, Kreativität, Dialoge, das alles machte er phantastisch. Er ist zeitlos neu.

          Und er publizierte seine Bücher zuerst als Fortsetzungsromane in Zeitungen. Da sind wir wieder bei den Serien.

          Ja, aber das machte man damals einfach so. Er selbst mochte das nicht besonders. Und es wäre sicher auch nicht meine bevorzugte Arbeitsweise.

          Hatten Sie denn, bevor Sie zu schreiben begannen, einen Gesamtplan für Ihren stark verästelten Roman?

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