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Klaus Wagenbach wird 90 Bild: Anna Jockisch

Klaus Wagenbach wird 90 : Ein Mann, der nie zu Boden geht

  • -Aktualisiert am

Sein Spürsinn war phänomenal: Ein persönlicher Geburtstagsgruß an den genialen, mutigen und beharrlichen Verleger Klaus Wagenbach.

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          Zu Klaus Wagenbach fällt mir gar nicht so viel ein, außer dass er ein richtiger Kleinverleger ist, aber ein genialer, der sich in allen politischen und ökonomischen Stürmen der letzten Jahrzehnte mit einem Mut und einer Beharrlichkeit behauptet hat, die ziemlich einmalig sind.

          Ich kenne ihn seit den fünfziger Jahren, und wenn wir Streit miteinander hatten, war das eine zivile Sache. Zu gerichtlichen Auseinandersetzungen kam es zwischen uns nie. Das „Kursbuch“ lief eine Zeitlang unter seiner Flagge; das hat ihm gar nicht gefallen, er hat sofort sein eigenes Konkurrenzunternehmen gestartet, mit allen möglichen Zwiebelfischen und Piratenstücken: den „Freibeuter“, dem allerdings nur ein kurzes Leben beschieden war. Die Auflage war zu gering, bei aller Munterkeit.

          Wagenbachs Humor hat uns alle verblüfft. Er war so unpassend wie er selbst, hat weder der Berliner Linken gefallen noch den Salonlöwen von damals. Er hat uns oft irritiert, aber immer erheitert mit seiner Kutsche als Symbol. Mit dem Nachbarstaat DDR hat er sich, schon wegen Biermann, in die Nesseln gesetzt, bis hin zum Hausverbot.

          Sein Spürsinn war phänomenal. Kaum war Ingeborg Bachmann ein paar Monate lang in der Frontstadt, schon erschien ein schwarzer Folgeband, und auch um die anderen Ford-Stipendiaten aus Polen und dem Osten hat Wagenbach sich, zusammen mit Walter Höllerer, gekümmert. Das Kolloquium am Wannsee gibt es immer noch; es ist nicht zuletzt Wagenbachs Erfindung.

          Klaus ist ebenso wie seine Frau Katja Wagenbach-Wolff nie zu Boden gegangen oder ausgezählt worden. Die von ihr begründete Friedenauer Presse lebt bescheiden, aber sie lebt.

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