https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/autoren/der-schauprozess-gegen-tsitsi-dangarembga-ist-kein-einzelfall-18221848.html

Tsitsi Dangarembga vor Gericht : Simbabwe, Land der offenen Wunden

  • -Aktualisiert am

Die Schriftstellerin Tsitsi Dangarembga vor dem Gericht in Harare Bild: EPA / Aaron Ufumeli

Statt endlich eingestellt zu werden, wird der Schauprozess gegen Tsitsi Dangarembga am Mittwoch fortgesetzt. Die Schriftstellerin sieht ihren im Vergleich zu anderen als „kleinen“ Fall. Ein Gastbeitrag.

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          Der Londoner Magistrate Court und die Rotten Row sind durch den Gerichtsreporter Charles Dickens längst literarisch verewigt. Das Amtsgericht in Harare, der Magistrate Court an der Rotten Row, ein runder, lichter Klinker- und Glasbau im einst historischen Zentrum von Simbabwes Hauptstadt, war am Donnerstag aufs Neue Schauplatz im Prozess gegen eine Literatin, die nichts weiter tat, als mit einem Plakat durch Harares Straßen zu gehen, für die Freilassung des bekannten Journalisten Hopewell Chin’ono, für Reformen und „ein besseres Simbabwe“ zu demonstrieren. Ein friedlicher Protest, seit zwei Jahren kriminalisiert vor dem Anti-Korruptions-Gericht, das direkt dem Präsidentenbüro unterstellt ist.

          Von unabhängiger Justiz kann also kaum die Rede sein, wenn die Richterin dem Antrag des Staatsanwalts folgt und Tsitsi Dangarembgas Protest als Indiz für die Anstiftung zu öffentlicher Gewalt sieht, eine Einstellung des Verfahrens ablehnt und den 10. August als neuen Termin ansetzt, an dem die Verteidigung neue Beweise und Zeugen beibringen muss im Prozess gegen Tsitsi Dangarembga und die Journalistin Julie Barnes.

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