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Der neue Dan Brown : Die geheime Pforte zu den letzten Geheimnissen

Das Cover der deutschen Ausgabe steht schon, die Übersetzung ist noch im Gange Bild: Lübbe

Seit Dienstag ist Dan Browns „The Lost Symbol“, eine hochspannende Freimaurer-Schnitzeljagd in der Hauptstadt der Vereinigten Staaten, auf dem Markt. Lorenz Jäger hat ihn gelesen und entwirrt ein faszinierendes Symbolgeflecht.

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          Sieht Robert Langdon zu viel? Nein: In Washington, D.C. drängen sich die sprechenden Zeichen ja förmlich auf, und als „Symbologe“, der in Harvard lehrt, folgt Langdon nur seiner akademischen Berufung, wenn er stets aufs Neue an die reichhaltige freimaurerische Emblematik und Bilderwelt denkt. Der mysteriöse und, mit einer abgeschnittenen Hand im Capitol, auch sehr gruselige Fall, den er zu lösen hat, verlangt es. Bevor man nun über den Helden von Dan Browns neuem Spannungsschmöker lächelt, sollte man sich klarmachen, dass Robert Langdons „Symbolologie“ in besseren Kreisen als politische Ikonographie bekannt ist, dass es hier also um die Anwendung des „iconic turn“ in der Gattung des Verschwörungs-Thrillers geht. Die Spuren, die der heutige Detektiv sucht, sind nicht mehr positivistisch zu erhebende Fingerabdrücke oder Aschenreste, sondern kulturwissenschaftlich zu deutende Bilderbotschaften. Wer sie erkennt, kann bei Dan Brown die großen Menschheitskatastrophen abwenden. Auch der gebildete Leser hat in dieser Hinsicht fast alles schon bei sich zu Hause.

          Lorenz Jäger
          Freier Autor im Feuilleton.

          Sogar die These des Romans selbst. Gotthold Ephraim Lessing entwarf im späten achtzehnten Jahrhundert in seinen „Gesprächen für Freimäurer“ die Figur eines Mannes, der sich mit den einschlägigen Klopfzeichen der Bruderschaften zu melden pflegt. „Er ist von denen, die in Europa für die Amerikaner fechten“, sagt Falk zu seinem Gesprächspartner Ernst, der erwidert: „Das wäre nicht das Schlimmste an ihm“, worauf Falk eine merkwürdige Einzelheit mitteilt: Der Mann habe „die Grille, dass der Kongress eine Loge ist; dass da endlich die Freimaurer ihr Reich mit gewaffneter Hand gründen“.

          Ein Mann von unbestimmt-mediterraner Herkunft

          Eine Grille, das wäre eine fixe Idee, die von historischer Kritik nicht mehr korrigierbar ist. Gerade darum handelte es sich aber nicht, wenn vom Anteil der Freimaurer bei der Gründung der Vereinigten Staaten die Rede ist: George Washington und Benjamin Franklin, um nur die bekanntesten Streiter für die Unabhängigkeit der Neuen Welt zu nennen, waren nun einmal in die Logengeheimnisse eingeweiht. Und stets schwanken die Bruderschaften, ob sie sich dies nun als ihr historisches Verdienst zuschreiben oder ob sie die Sache herunterspielen sollen, um nicht ihrerseits einer „Verschwörungstheorie“ Vorschub zu leisten.

          Auf den Bau des salomonischen Tempels führen die Freimaurer ihre Mythologie zurück. „Tempel“ heißt auch der jeweilige Versammlungsort der Brüder. Mit dieser Gründungslegende ist der Anspruch eines eigenen, überkonfessionellen, nicht mehr kirchlichen Weiheortes erhoben. Das göttliche Wesen heißt dort „Allmächtiger Baumeister aller Welten“. Indem die Maurer sich außerhalb der Konfessionen stellten, erhoben sie einen intellektuellen Überlegenheitsanspruch; man war „aufgeklärt“ gegenüber den Frommen, zugleich aber „eingeweiht“ in eine universelle Weisheit, die die Schranken der Bekenntnisse hinter sich ließ und durch das maurerische Geheimnis, die Pflicht zur Verschwiegenheit, geschützt war. Salomonische Weisheit: Wir begegnen ihr in Dan Browns Roman in dem vielleicht allzu sprechenden Namen des Großmeisters der Freimaurer, Peter Solomon. Dieser, von unbestimmt-mediterraner Herkunft, ist ein Mann der unermesslichen Reichtümer und ein Menschheitswohltäter dazu. Und er, Langdons alter Freund und Mentor, wird aufs grausamste entführt und verstümmelt.

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