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Der globale Thriller : Geteilter Mord ist doppelte Auflage

Beim Abendessen prallen Alte und Neue Welt aufeinander, kollidieren Fiktion und Wirklichkeit. Dazu muss man wissen, dass Marklund andere Handelswege erobert hat als Patterson. Sie gründete 1999 zusammen mit dem in Schweden weltberühmten Autor Jan Guillou und dessen Frau Ann-Katrin Skarp einen Verlag, den Piratsförlaget. Nun ist Guillou vergangenes Jahr ins Gerede gekommen, als ruchbar wurde, dass er als junger Journalist einige Jahre am Haken des KGB hing. An diesem Abend macht er um das Thema einen weiten Bogen.

Pettersons Manufaktur kennt keinen Klassenkampf

Jetzt geht es schließlich ums Geschäft, und da hat der Piratförlaget einen unüblichen Weg eingeschlagen: Autor und Verlag teilen sich den Erlös jeweils zur Hälfte. Eine Reihe von bekannten Autoren hat sich deshalb dem Haus angeschlossen - und nebenbei den schwedischen Buchmarkt verändert. Bei Verhandlungen können die Autoren mit einem Wechsel zum Piratenverlag drohen; das habe ihre Lage insgesamt verbessert.

Pattersons Manufaktur in Florida kennt keinen Klassenkampf. Hier regiert der Markt, und der langjährige Werbefachmann weiß, wie dieser zu bedienen ist. Bezeichnend war schon sein Einstieg in die Eigenvermarktung, als er 1992 auf eigene Kosten einen Fernsehspot drehen ließ, um „Along Came A Spider“, den ersten Roman der Alex-Cross-Serie, zu bewerben. Das Buch wurde ein Riesenerfolg, seither ist Patterson sein eigener Marketing-Chef. Sein Hausverlag hat ein eigenes Team abgestellt, das sich nur um Pattersons Titel kümmert. Schließlich setzt er auf bestimmten Märkten - an erster Stelle im Vereinigten Königreich - allein mehr um als manche mittelgroße Verlagsgruppe.

Das Werbegeschäft selbst habe ihn nie interessiert, er habe nur schnell begriffen, wie es funktioniert. „Das hat nur die Stromrechnung bezahlt. Meine Liebe gehörte der Literatur. Ich habe aber am College gemerkt, dass ich diese Liebe töte, wenn ich die akademische Laufbahn einschlage. Aber ich wollte nicht, dass mein Schreiben durch Abgabetermine unter Druck gesetzt wird - ich wollte nicht vom Schreiben leben müssen.“ Heute subventioniert er als internationaler Umsatzgarant ein breites Verlagsprogramm.

Frau Marklund hasst die Preisbindung

Mit diesem Effekt rechnet auch der Piratförlaget. Die schwedische Ausgabe - derzeit prominent plazierte Stapelware - kostet umgerechnet dreißig Euro, ein stolzer Preis für einen Krimi von 384 Seiten. Dass hier Masse gemacht werden soll, daraus macht Liza Marklund ebenso wenig einen Hehl wie aus ihrer Abneigung gegen Buchpreisbindung wie in Deutschland: „Bücher soll es einfach überall zu kaufen geben. Der kleine Buchhändler interessiert mich null. Soll er verschwinden - wen kümmert das?“ Es sei doch eine Fehlinterpretation, dass Bestseller der guten Literatur Leser wegnähmen. „Es ist genau umgekehrt: Ohne Bestseller geht doch keiner in einen Buchladen.“

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