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Der globale Thriller : Geteilter Mord ist doppelte Auflage

Die Romane verkaufen sich wie geschnitten Brot

Kleinstadtbiographien: Die Herkunft aus kleinen Verhältnissen spielt eine Rolle. Marklund erzählt, sie sei „in den Wäldern aufgewachsen“, habe „den Bienen Geschichten erzählt“. Patterson hat das Erzähler-Gen von den Großeltern. Beide charakterisieren sich als „familienorientierte Workaholics“. Patterson ist ein entspannter Spätkapitalist, Marklund treiben Klassenkampf und Frauenbewegung um. Finanziell unabhängig, lebt sie das halbe Jahr in Marbella.

Der Amerikaner verteilt die Arbeit auf mehrere Schultern. Mit einem Stamm von fünf Koautoren - deren Namen auf und in den Büchern nicht genannt werden - entwickelt Patterson die Grundzüge des Plots, die seine Schreiber dann ausarbeiten. „Wenn die Chemie zwischen mir und meinen Autoren stimmt, kommt dabei immer etwas Besseres heraus, weil es zwei Sichtweisen vereint. Es bündelt die Kräfte: Die besten Bücher, die ich geschrieben, habe - ,The Beach House', ,Honeymoon', die Serie um den Psychologen Alex Cross -, habe ich mit Koautoren gemacht.“

Die Romane verkaufen sich wie geschnitten Brot, weil die Käufer, wie bei Markenware üblich, gar nicht überlegen: Wo Patterson draufsteht, ist Patterson drin, gleichgültig, welches Genre der Autor gerade bespielt. Und es gibt eigentlich nichts, was er nicht bespielt - auch wenn sein Schwerpunkt im Thriller-Genre liegt. Handlung regiert, Psychologie verliert. Reduzierter Einsatz von Adjektiven. Schmückendes Beiwerk: Fehlanzeige. Hundertdreißig Kapitel von maximal drei Seiten Länge spendiert er seinen Stoffen.

Amerikanische Emotion, skandinavischer Realismus

Technisch habe es überhaupt kein Problem gegeben, vierhändig über den Atlantik hinweg zu arbeiten, obwohl Patterson mit Bleistift schreibt. Seine Sekretärin ist die Einzige, die die Schrift des Werkstattmeisters lesen kann: „Ich will in der Lage sein auszuradieren.“ Marklund erzählt vom Skript, das zur Hälfte englisch und zur Hälfte schwedisch gewesen sei, „was ziemlich merkwürdig aussah“. Dennoch, die Vorstellung, mit einem erfolgreichen europäischen Autor zusammenzuarbeiten, habe ihm gefallen, sagt Patterson: den „emotionalen amerikanischen Thriller mit dem mehr literarischen und realistischen skandinavischen Thriller zu kombinieren“.

Da es in den Vereinigten Staaten, wie Patterson nüchtern vermerkt, kaum Berichterstattung über Bücher gebe, müsse man die Bücher eben auf anderen Kanälen zum Leser bringen. Dass er selbst es Ende Januar zur Titelgeschichte im Magazin der „New York Times“ gebracht hat, hat ihn deshalb umso mehr gefreut, zumal diese Zeitung ihn die längste Zeit ignoriert hatte. „Ich werde kaum je rezensiert, weil sie wissen, was ich liefere. Die Gefahr für mich ist, dass Leute über mich schreiben, die meine Bücher nicht gelesen haben.“ Und das sei häufig der Fall gewesen. „Die ,Times' hat einmal eine Geschichte über mich gebracht, die begann mit dem Satz: ,Ich habe seine Bücher nicht gelesen, aber ...' Wenn ich Chefredakteur gewesen wäre, hätte ich den Kerl gefeuert.“

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