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Philip Kerr bei einem Interview in Barcelona Bild: EPA

Zum Tod von Philip Kerr : Mit Mielke an der Riviera

Seine berühmteste Figur war der deutsche Privatdetektiv Bernie Gunther, den er dreißig Jahre lang ermitteln ließ. Jetzt ist der britische Schriftsteller Philip Kerr gestorben.

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          Ein Nachruf auf den ebenso vielseitigen wie produktiven britischen Autor Philip Kerr ist auch ein Nachruf auf Bernhard (Bernie) Gunther, den schnoddrigen, schwarzhumorigen Privatdetektiv aus Wedding, der durch seine Ermittlungen in die beiden deutschen Diktaturen des zwanzigsten Jahrhunderts verstrickt wird. Die Biographie der brüchigen Figur, die Kerr Ende der achtziger Jahre nach dem Vorbild von Raymond Chandlers Philip Marlowe ersann und zum antiheldischen Protagonisten von dreizehn Romanen machte, verkörpert die moralischen Zwickmühlen eines Deutschen des Jahrgangs 1896.

          Gina Thomas
          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

          Gunther ist weder Nationalsozialist noch ein „verdammter Roter“, gehört aber auch nicht dem Widerstand an. Sein Überlebenswille verwischt die Trennlinie zwischen Gut und Böse. Mal ist er als Kriminalkommissar im Einsatz, mal als Privatdetektiv. Wider Willen wird er von Heydrich und Goebbels eingespannt. Unter anderem ermittelt er auf dem Obersalzberg. Nach dem Krieg sieht er sich gezwungen, einen Auftrag des an der französischen Riviera schlemmenden Erich Mielke anzunehmen. Wo immer Gunther unterzutauchen versucht, holt ihn die Vergangenheit ein. Die deutsche Geschichte hat auch Kerr nicht losgelassen, obgleich er, den die Zeitschrift Granta 1993 zu den bedeutendsten britischen Romanschriftstellern zählte, sich auch an Zukunftsliteratur wagte und neben einer unter dem Pseudonym P.B. Kerr veröffentlichten Fantasy-Serie für Kinder auch eine Reihe von Krimis über den Trainer des fiktiven Fußballvereins London City schrieb.

          Der in Edinburgh geborene Kerr behauptete, seine ersten literarischen Schritte als Zwölfjähriger mit pornographischen Geschichten getan zu haben, die er zur Unterhaltung seiner Schulkameraden verfasste, nachdem er zuhause D.H. Lawrences „Lady Chatterleys Liebhaber“ entdeckte. Das Interesse an der Hitlerzeit wurde durch das Jura-Studium geweckt, bei dem er sich insbesondere mit der Einwirkung der romantischen Bewegung auf die deutsche Rechtsphilosophie befasste. Statt den Anwaltsberuf zu ergreifen, arbeitete er als Werbetexter, derweil er die Recherchen für seinen ersten Bernie-Gunther-Fall, „Feuer in Berlin“ unternahm, dem Auftakt der „Berlin-Trilogie“. Vergangenen Freitag ist Kerr im Alter von nur zweiundsechzig Jahren gestorben, wenige Tage vor dem Erscheinen von „Greeks Bearing Gifts“, des jüngsten Falles von Bernie Gunther.

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