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Donna Leon zum Achtzigsten : Besser mordet’s sich mit Worten

Liebt Venedig: die Schriftstellerin Donna Leon Bild: Jens Gyarmaty

Die Idee für ihren ersten Krimi kam ihr in der Oper: Donna Leon erfand den venezianischen Commissario Brunetti. Die deutsche Übersetzung machte sie berühmt.

          2 Min.

          Mancher Erfolg erwächst aus den schrägsten Ideen. Als ein Freund sich bei einem Opernabend in Venedig über den Dirigenten ereiferte („Der ist so schlecht, ich sollte ihn umbringen“), sagte Donna Leon beruhigend: „Lass mich das machen, aber mit Worten.“ Aus diesem Gespräch, erzählte die Schriftstellerin später, sei die Idee für ihren ersten Kriminalroman „Venezianisches Finale“ entstanden. Da liegt eine Leiche im Teatro La Fenice, und ein Commissario namens Brunetti geht zum ersten Mal auf Mördersuche.

          Maria Wiesner
          Koordinatorin „Stil“.

          Leons Ermittlerfigur ist eine der we­nigen im Krimi-Genre, die sich weder durch dysfunktionale Beziehungen noch durch depressive Gemütsverstimmungen hervortut. Brunetti liebt seine Familie, seine Frau Paola ist Univer­sitätsdozentin aus reichem Hause, die Erziehung der zwei Kinder ist von der Nachsichtigkeit der Achtundsechziger-Generation geprägt. Zu Hause gibt es keine Probleme, dafür genug davon, sobald der Kommissar vor seine Haustür tritt und durch die kleinen Gassen Venedigs streift. Diese Mischung kam beim amerikanischen Publikum, für das die 1942 in New Jersey geborene Autorin zunächst schrieb, nicht sonderlich gut an. In den USA floppte Brunettis erster Fall. Leon vermutete, dass der Ermittler diesem Publikum „zu intellektuell“ sei – ein hartes Urteil über ihre ehemalige Heimat, die sie schon mit 23 Jahren verließ. Nach einem Literaturstudium und Lehrtätigkeiten in London, der Schweiz, Iran, China und Saudi-Arabien ließ sie sich Anfang der Achtzigerjahre in Venedig nieder.

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