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Premiere in Berlin : Jürgen Kaube erhält Deutschen Sachbuchpreis

Der erste Preisträger des Deutschen Sachbuchpreises: Jürgen Kaube Bild: dpa

Im vergangenen Jahr machte die Pandemie einen Strich durch die Rechnung. Doch jetzt wurde im Humboldt Forum in Berlin zum ersten Mal der Deutsche Sachbuchpreis vergeben.

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          Der Deutsche Sachbuchpreis ist zum ersten Mal vergeben worden. Bei einer Veranstaltung im Humboldt Forum des Berliner Schlosses, die der Pandemie wegen vor kleinem Publikum stattfand, wurde am Montagabend der siegreiche Titel unter den acht im März nominierten Kandidaten bekanntgegeben: „Hegels Welt“ von Jürgen Kaube. Mit diesem Buch, erschienen im Rowohlt Verlag, sei dem Autor eine ebenso elegante wie leicht ironische Darstellung gelungen, die Georg Friedrich Wilhelm Hegel als Inspiration für die Gegenwart begreiflich macht. Der Preisträger, für das Feuilleton zuständiger Herausgeber der F.A.Z., erhält 25.000 Euro, an die übrigen sieben Nominierten gehen je 2500 Euro.

          Helmut Mayer
          Redakteur im Feuilleton, zuständig für „Neue Sachbücher“.

          Der Preis, ausgelobt vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels und maßgeblich gefördert durch die Deutsche Bank, tritt an die Seite des Deutschen Buchpreises, der seit 2005 am Vortag der Eröffnung der Buchmesse in Frankfurt vergeben wird. Der Buchpreis zeichnet einen Titel aus, der in den Augen der Jury als bester Roman des Jahres gelten kann (ein Versepos war immerhin im vorigen Jahr auch dabei).

          Das weite Feld des Sachbuchs

          Dem im Oktober gekürten „Roman des Jahres“ wird also ab nun ein „Sachbuch des Jahres“ im Sommer folgen. Was freilich etwas symmetrischer klingt, als es der Sache nach ist. Denn so einleuchtend es sein mag, Romane aneinander zu messen, so wenig naheliegend ist das eigentlich auf dem weiten Feld des Sachbuchs. Diese Schwierigkeit – und im Ergebnis leichte Komik – führen schon die Reihungen der von Jurys zusammengestellten Sachbuch-Bestenlisten jeden Monat vor.

          Seite an Seite: Die nominierten Titel für den Deutschen Sachbuchpreis
          Seite an Seite: Die nominierten Titel für den Deutschen Sachbuchpreis : Bild: vntr.media

          Im Fall des neuen Preises hat man der Jury mit der Forderung, die ausgezeichneten nicht-fiktionalen deutschen Originalausgaben mögen auch einen „Bezug zum Zeitgeschehen“ haben, einen Wink gegeben. Das verdankt sich einerseits wohl dem Umstand, dass es seit 2019 bereits einen anderen hoch dotierten Sachbuch-Preis gibt, ausgelobt von der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft in Darmstadt. Aber es kommt darin auch der Anspruch des Börsenvereins zum Ausdruck, mit dem Preis nicht bloß den Bücherverkauf anzukurbeln – selbstverständliche Zielsetzung eines von Buchhändlern ausgelobten Preises –, sondern zudem „Denkanstöße, die öffentliche Diskussionen anregen und bereichern“, zu geben. 

          Aktuelle Bezüge verschiedener Art

          Wie das nun zu verstehen sein soll – das zu bestimmen war Aufgabe der siebenköpfigen Jury. Sie hatte sich mit den acht Nominierungen zur ersten Preisvergabe gut  aus der Affäre gezogen. Bei Daniel Kosserts „Flucht – Eine Menschheitsgeschichte“ (Siedler Verlag) liegt der unmittelbare Bezug zum Zeitgeschehen ebenso auf der Hand wie in Zeiten grassierender „Wissenschaftsskepsis“ bei den Erläuterungen wissenschaftlichen Prozedierens, die Mai Thi Nguyen-Kim in „Die kleinste gemeinsame Wirklichkeit“ (Droemer) gibt. Und das gilt auch für Asal Dardans „Betrachtungen einer Barbarin“ (Hoffmann & Campe), die um ein Leben zwischen den Kulturen kreisen, sowie Christoph Möllers Versuch, Elemente einer liberalen Politik zu bestimmen, „Freiheitsgrade“ (Suhrkamp).

          Etwas vermittelter wird dieser aktuelle Bezug im preisgekrönten Buch, Jürgen Kaubes „Hegels Welt“, in Heike Behrends „Autobiographie der ethnographischen Forschung“ (Matthes & Seitz) und Daniel Leeses Darstellung der Aufarbeitung der Kulturrevolution durch die Kommunistische Partei Chinas in „Maos langer Schatten“ (C.H.Beck). Und mit der Nominierung von Michael Maars „Die Schlange im Wolfspelz“ (Rowohlt), Streifzügen durch die Weltliteratur am Leitfaden der Frage nach gutem Stil, machte die Jury klar, dass sie sich durch die Vorgabe des Bezugs zum Zeitgeschehen nicht über Gebühr einschränken ließ. Im kommenden Frühjahr stehen die nächsten acht Nominierungen an.

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