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Buchpreis für Eugen Ruge : Wechselseitige Belichtung

  • -Aktualisiert am

Strahlender Gewinner: Eugen Ruge erhält den Deutschen Buchpreis 2011 Bild: dpa

Ein Glück für den Autor, ein Glück für die Auszeichnung: Gleich für seinen Roman „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ hat Eugen Ruge den Deutschen Buchpreis 2011 erhalten.

          Es ist eine Geschichte, wie sie sich die Stifter des Deutschen Buchpreises nicht schöner hätten ausmalen können: Ein Mann, 1954 im Ural geboren, in der DDR aufgewachsen, möchte einen Roman schreiben, dessen Stoff er zwanzig Jahre lang mit sich herumträgt, ohne ihn in Sprache fassen und in eine Form gießen zu können. Er versucht es mit Theaterstücken, für die sich kaum jemand begeistert. Er versucht, sich den Stoff aus dem Kopf zu schlagen, was nicht gelingt. Schließlich hilft der Zufall.

          Lena Bopp

          Redakteurin im Feuilleton.

          Ein Arzt diagnostiziert eine lebensbedrohliche Krankheit, und von diesem Moment an geraten die Dinge in Bewegung. Der Mann schreibt. Für die ersten achtzig Seiten, die er sich abringt, gewinnt er einen Preis, und als das Buch dann endlich erscheint, gewinnt er noch einen Preis, und zwar einen der wichtigsten, die in diesem Land zu vergeben sind: den Deutschen Buchpreis.

          Ein gutes Zeichen für den Preis

          Die Geschichte von Eugen Ruges Roman „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ klingt ein bisschen wie ein Märchen. Doch sie ist wahr. Eugen Ruge, der schmale, unscheinbare Mann, dem in diesem Jahr der Deutsche Buchpreis zuerkannt wurde, hat nach eigenen Worten zwar bis zuletzt versucht, an ein solches Märchen nicht zu glauben. Als er daher aufs Podium im Kaisersaal des Frankfurter Römers stieg, um seine Dankesrede zu halten, musste er zunächst gestehen, dass er gar nicht vorbereitet sei. Sein Verleger Alexander Fest – dem er später hinter den Kulissen und in trauter Runde in die Arme fiel – habe ihm zwar geraten, sich für den Fall der Fälle vorzubereiten. Aber so gerne er über den Aberglauben seiner Mitmenschen lache, so ernst nehme er ihn bei sich selbst. Mehr als ein Dank an all jene, die ihm beigestanden hatten, war dem frisch gekürten Preisträger somit nicht zu entlocken.

          Dabei ist sein Buch in mehrfacher Hinsicht ein gutes Zeichen für den Deutschen Buchpreis. Nicht, dass man sich mit anderen Namen von der Short List nicht auch hätte anfreunden können. Doch der Roman von Eugen Ruge, der den Untergang des Sozialismus mit der autobiographisch geprägten Geschichte einer intellektuellen Familie in der DDR verbindet und sich dabei nicht von einer alles umfassenden Schwermut davontragen lässt, sondern eine beeindruckende Gelassenheit zeigt, ist ein Buch, das der Auszeichnung standzuhalten verspricht. Nicht wenige in dem bis auf den letzten Platz gefüllten Saal trauten ihm zu, an die auflagenstarken Erfolge mancher der vorherigen Preisträger anzuknüpfen, sei es „Der Turm“ von Uwe Tellkamp oder „Die Mittagsfrau“ von Julia Franck, von denen jeweils mehrere hunderttausend Exemplare verkauft worden sein sollen.

          Dass sich die Ehrung in dieser Form aber in den Kassen widerspiegelt, ist ja nach wie vor ein erklärter Anspruch des Deutschen Buchpreises. Auch in diesem Jahr bezeichnete Gottfried Honnefelder, der Vorsitzende des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, die Auszeichnung als ein Medium, durch das ein „Echoraum für Literaturen“ entstehe, „der für die Öffentlichkeit so etwas wie die ,Weltliteratur’ der jeweiligen Gegenwart erkennbar werden lässt“.

          Dass sich der Deutsche Buchpreis 2011 nach einigen laueren Jahren aber tatsächlich wieder auf Augenhöhe mit dem englischen Man-Booker-Prize und dem französischen Prix Goncourt sehen darf, verdankt Honnefelder vor allem seiner Jury. Nach allem, was zu hören war, haben sich deren Mitglieder zwar auf das Schärfste beharkt. Doch es hat sich gelohnt.

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