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Autorin und Essayistin : Brigitte Kronauer ist tot

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„Damit konfrontiert zu werden, dass man sterblich ist – ich kann nicht sagen, dass mich das besonders schockiert“ Bild: dpa

Sie entschied sich für die Freiheit: Brigitte Kronauer, eine der großen deutschen Schriftstellerinnen der Nachkriegszeit, ist gestorben.

          Sie war eine der großen deutschen Schriftstellerinnen der Nachkriegszeit: Brigitte Kronauer. 1940 in Essen geboren und bei der Mutter aufgewachsen, war sie nach ihrem Germanistik-Studium zunächst als Lehrerin tätig. Aber das Unterrichten und Noten vergeben war nicht ihr Leben, daher entschied sie sich für die Freiheit und machte sich in Hamburg selbstständig als Autorin.

          Und selbstständig blieb sie von da an für immer – ihr Ton schon in ihrem ersten, autobiographisch gefärbten Roman „Frau Mühlenbeck im Gehäus“ war geprägt von einer eigenen, offenen Art der Beschreibung. Nicht das Normale, sondern das Merkwürdige, nicht die eindeutige Wirklichkeit, sondern das zweideutige Phantasma drängte sie zur Erzählung. Das Schreiben, so hat sie einmal gesagt, sei für sie der „Wunsch, etwas in eine bestimmte Ordnung zu bringen“. Diese Ordnung war modern in dem Sinne, dass sie sich nicht am Ganzen, sondern am Zerrissenen, Ambivalenten orientierte.

          Die Frage nach dem vielfach gebrochenen Ich durchzieht ihr Werk, zu dem unter anderen so bedeutende Bücher wie „Teufelsbrück“, „Verlangen nach Musik und Gebirge“, „Errötende Mörder“ oder „Der Scheik von Aachen“ gehören. Im kommenden Monat erscheinen bei Klett Cotta unter dem Titel „Das Schöne, Schäbige, Schwankende“ neue Romangeschichten von ihr.        

          Kronauer war neben ihrer Tätigkeit als Schriftstellerin und Essayistin auch eine große Kennerin der modernen Kunst. Ausgezeichnet unter anderem mit dem Heinrich- Böll, dem Jean-Paul und dem Thomas-Mann-Preis, wurde ihr 2005 von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung der Büchner-Preis verliehen. In einem ihrer letzten Interviews in dieser Zeitung sprach sie vom Glück, sich erinnern zu dürfen und vom Tod als einer selbstverständlichen Tatsache: „Damit konfrontiert zu werden, dass man sterblich ist – ich kann nicht sagen, dass mich das besonders schockiert“. Die literarische Welt hingegen reagiert schockiert und traurig auf die Meldung von ihrem Tod.

                                                                                                         

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