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Neues von Krabat : Nachrichten vom wendischen Faust

Auch ein Umgang mit dem Stoff: „Krabat“ am Staatstheater Mainz mit Rüdiger Hauffe als Meister und Julian von Hansemann als Krabat
Auch ein Umgang mit dem Stoff: „Krabat“ am Staatstheater Mainz mit Rüdiger Hauffe als Meister und Julian von Hansemann als Krabat : Bild: Andreas Etter

Man kann darin einen fernen, wenn auch verdüsterten Abglanz des nordischen Gottes Odins sehen, der ein Auge gegen Weisheit tauschte, vielleicht aber auch eine Reminiszenz an einen die Reitpeitsche schwingenden Einäugigen, dem Preußler in russischer Kriegsgefangenschaft begegnete und den er die „mit Abstand übelste Figur“ nennt, „die wir im Lazarett zu ertragen hatten“. Und auch die so eindrucksvoll geschilderten Beerdigungen „ohne Pastor und Kreuz“ im Wüsten Plan wurzeln offensichtlich in Preußlers Erfahrungen während seiner Kriegsgefangenschaft, als es für die unterwegs Gestorbenen oft nicht einmal zum Grab reichte.

Dass den Autor die Erinnerung an das Kriegsgeschehen nicht losließ, teilt sich bereits in später verworfenen Kapiteln des „Krabat“-Konvoluts aus den Sechzigerjahren mit. Dort gibt es eine Schilderung, wie Krabat ins kursächsische Heer gelockt wird, Handgeld bekommt und mit den anderen Soldaten von der städtischen Bevölkerung gefeiert wird: „Vor allem die Dresdner Mädchen, denen man schon damals nachsagte, sie seien von den schönen Sächsinnen die allerschönsten, drängten sich an den Straßenrändern und winkten mit Taschentüchern und Blumensträußen.“ Die bunt herausgeputzten Soldaten werfen ihnen dafür Kusshände zu: „Und keiner von ihnen wollte in dieser Stunde daran denken, wieviel arme Teufel hier lustig und guter Dinge mit ausmarschierten, die bald schon mit einer Kugel im Leib steif und kalt auf der Erde liegen oder sich mit zerschossenen Gliedern im Blut wälzen würden.“

Wo die schillernde Sphäre der Macht mit Zauberei verbunden wird, ist es an der Zeit, ihr ein Ende zu bereiten, auch das ist Preußlers Werk eingeschrieben. Kein Magier sollte sich in diesem Kosmos allzu stark dünken. Bei der „Kleinen Hexe“ wird aus dieser Hybris ein loderndes Feuer aus Zauberbüchern, dem mächtigen Zauberer Petrosilius Zwackelmann ergeht es am Ende des ersten „Räuber Hotzenplotz“-Bandes ebenfalls schlecht. Und auch der Hexe Babajaga nutzt all ihre magische Versiertheit nichts, als sie es mit dem starken Wanja zu tun bekommt.

Am schönsten aber erzählt Preußler vom Ende der schwarzen Magie im „Krabat“, wenn das in Krabat verliebte Mädchen zur Mühle kommt, das der Knappe nur als die Vorsängerin der Osternacht kennt, als Kantorka. „Gegen große Vorzüge eines anderen Menschen gibt es kein Rettungsmittel als die Liebe“, heißt es in Goethes „Wahlverwandtschaften“. Dass es umgekehrt auch gegen die Liebe kein Rettungsmittel gibt, auch kein schwarzmagisches, zeigt „Krabat“ in vollendeter Form. Die Mühle geht in Flammen auf. Und hinter dem erlösten Müllerburschen und der Kantorka schließt sich ein weißmagischer Vorhang aus Schnee.

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