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Bestsellerautor Jan Weiler : Und es schmeckt ihm doch ...

Keine Inszenierung für das literarische Kochbuch: Jan Weiler ist oft in seiner Küche anzutreffen Bild: Jan Roeder; F.A.Z

Bestsellerautor Jan Weiler findet nichts dabei, wenn andere Leute ein wenig in seinem Leben herumstöbern, um Teile davon in der Öffentlichkeit zu verarbeiten. Er macht ja gewissermaßen auch nichts anderes. Ein Portrait.

          Als das Gewitter losbricht, das Jan Weiler seit Stunden herbeigeredet hat, sind wir auf der Autobahn. Ein alter weißer Porsche zwischen Starnberger See und München. Die Sicht ist so miserabel wie im Schleudergang einer Waschmaschine. Und der letzte Zug nach Berlin fährt in zwanzig Minuten. Vor einer großen Kreuzung am Stadtrand lässt der Regen nach. Dafür ist Stau. Weiler überholt auf der Rechtsabbiegerspur und ruft kokett: „Mein Gott, bin ich böse!“, als er sich kurz vor der Ampel zurück in die Schlange drängelt. Noch acht Minuten bis zur Abfahrt. „Wollen Sie sich mit dieser Frau um einen Parkplatz streiten?“ Weiler deutet auf eine Matrone mit feuerwehrroten Lippen, die im Kampfschritt vorbeihastet. Noch drei Minuten. Jetzt erfindet Weiler Geschichten über einen Schwarzafrikaner, der einen Mops hinter sich her zieht, aussieht wie Hulk und selbstironisch zu uns in den Porsche grinst. Noch einmal abbiegen. Der Bus vor uns scheint zu parken. Letzte Ampel. Ist Weiler so entspannt, wie er wirkt? „Ich tue nur so“, sagt Weiler ernst. „Es tut mir wirklich so leid für Sie!“ Wir sind fünf Minuten zu spät am Bahnhof. Der Zug ist weg.

          Julia Schaaf

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ein Porträt über sich selbst

          „Herr Weiler, wie würden Sie ein Porträt über sich beginnen?“

          Zusammen mit dem Küchenchef seines Restaurants Vinoteca Marcipane, Corbinian Kohn, bringt Weiler ein Kochbuch heraus

          „Boah. Weiß nicht.“ Pause. „Ich würde wahrscheinlich schreiben: Ich habe selten einen derart attraktiven Mann kennengelernt.“ Wir lachen, was sonst.

          In seinem früheren Leben als Journalist hat Jan Weiler selbst gerne Porträts geschrieben. Da war er Redakteur des Magazins der „Süddeutschen Zeitung“, später als Hälfte einer Doppelspitze sogar Chefredakteur. Bis heute unterrichtet er an der Deutschen Journalistenschule in München und erklärt Studenten, die sich zu Übungszwecken wechselseitig porträtieren sollen, dass der Text dem anderen gerecht werden solle, und dafür reiche es nicht, ihn nach seinen Leistungskursen zu befragen. Jan Weiler, Leistungskurse Deutsch und Englisch, ist inzwischen selbst Stoff für Porträts. Sein Romandebüt „Maria, ihm schmeckt's nicht“ hat sich mehr als 1,5 Millionen Mal verkauft. Man kann fünf zufällig ausgewählte Bekannte in München, Leipzig und Berlin innerhalb von zwölf Stunden auf das Buch ansprechen - und alle kennen es. „Ganz nett“, sagen die meisten. Einer schaut gelangweilt. Jemand kichert spontan. Im August kommt die Verfilmung mit Christian Ulmen in die Kinos. „Weiler lustig ist“ bewirbt der Rowohlt-Verlag Weilers Bücher. Aber das hört der Einundvierzigjährige auf dem Weg zum Bahnhof zum ersten Mal. „Oh Mann“, ruft er, und haut aufs Lenkrad. „Wie schrecklich!“ Er kann das beurteilen. Als Werbetexter hat Weiler schließlich einmal angefangen.

          Ein kleiner Arbeitgeber im großen Weinberg der Unterhaltung

          „Herr Weiler, als was würden Sie sich heute bezeichnen?“

          „Als Mensch, mittlerweile“, sagt Weiler, unsicher lächelnd. Dann frotzelt er: „Ich bin nur ein kleiner Arbeiter im großen Weinberg der Unterhaltung.“ Und noch einmal, ernster: „Ich weiß es nicht so genau. Eigentlich als Schriftsteller.“

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