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Benjamin Heisenberg : Flirt mit dem Übernatürlichen

Filmregisseur, Bildhauer, Schriftsteller: Benjamin Heisenberg Bild: Ernst Kehrli

Der Filmregisseur Benjamin Heisenberg über paranormale Vorgänge, Deep Fakes und seinen ersten Roman „Lukusch“. Der ist vieles auf einmal und eine sehr unterhaltsame Fundstücksammlung.

          7 Min.

          Anton, ein 13-jähriger Junge aus Prypjat, der 1987, ein Jahr nach Tschernobyl, in die fränkische Provinz kommt, wo man sein Schachtalent entdeckt; Igor, sein gleich­al­triger Freund, beide unzertrennlich wie siamesische Zwillinge; Simon, der Sohn der Gastfamilie, der dreißig Jahre später das wieder verschwundene damalige Wunderkind Anton sucht, nachdem Igor überraschend als Schachgroßmeister aufgetaucht ist – das sind die Akteure im Debütroman des Regisseurs und bildenden Künstlers Benjamin Heisenberg. Der 48-Jährige collagiert in „Lukusch“ Textsorten und kombiniert Genres, er arbeitet mit zahlreichen Fotos, veranstaltet ein smartes erzählerisches Vexierspiel, das die Lektüre zum großen Vergnügen macht.

          Peter Körte
          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Sie machen es kompliziert. Auf dem Buch stehen „Roman“ und Ihr Name, und dann werden Sie im Vorwort als Herausgeber eines Konvoluts von Texten und Bildern Teil der Fiktion.

          Es ist ja ein erster Roman, der vom Autor in einer Aneinanderreihung von Kurzgeschichten geschrieben ist. So wechseln auch die Perspektiven der Charaktere, aus der Lust, am nächsten Tag aus der Sicht einer anderen Figur zu erzählen und für jeden Charakter eine eigene Erzählhaltung zu entwickeln. Der Rahmen dafür ist meine Herausgeberschaft, auch weil der Ich-Erzähler Simon Ritter ist und nicht ich selbst es bin, obwohl es von mir als Herausgeber autobiographische Anteile im Text gibt. Dieses Verwirrspiel ist Teil des Konzepts.

          Und dann haben Sie auch noch ein Video zum Roman gemacht!

          Das Video kam danach. Es ist Teil einer Arbeit für eine Ausstellung, die gerade entsteht. Sie soll am Ende wie die Wand eines der Kommissariate wirken, die man aus Krimis kennt. Eine visuelle Spurensuche mit Bildern von Menschen, Tatorten und Ereignissen. Das Video funktioniert wie ein filmischer Beweis. Gleichzeitig erzählt es die Genese der Bilder im Buch, die aus sehr interessanten Anteilen zusammengesetzt und bearbeitet wurden.

          Was war denn die Initialzündung für den Roman?

          Das Projekt ist schon sehr alt. Es fing an mit einer Kurzgeschichte, die ich im Filmstudium um 1997 geschrieben habe. Mit ein paar Änderungen kann man sie im Roman, im Kapitel „Das waren die achtziger Jahre“, lesen. Dann habe ich noch im Studium mit Christoph Hochhäusler und jetzt 25 Jahre später mit Peer Klehmet daran gearbeitet. Es ist also ein Filmprojekt, das zuletzt durch Anregung von Peer zu einem Buch wurde.

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          War das ein besonderer Reiz, in einem anderen Medium etwas auszuprobieren, das im Kino sehr kompliziert gewesen wäre?

          Absolut. Es folgt auch einer Linie in meiner künstlerischen Arbeit, in der von Anfang an die Verbindung zwischen Text und Bild elementar war. Im Grunde bin ich so erst zum Film gekommen. Ich hatte mich im Studium mit Umberto Eco und der Semiotik auseinandergesetzt und dann ein erstes Video gemacht, das Symbole und Text kombinierte. Es gibt Texte, die auf Bilder reagieren und vice versa, und ich stelle im Buch auf diese Weise eine Fiktion her, die gleichzeitig viel mit meiner Herkunft aus Franken und anderen Erlebnissen und Menschen meines Lebens zu tun hat.

          Das große Bild oder Thema hinter dem Roman ist Tschernobyl. Sie sind Jahrgang 1974, wie die Protagonisten, Sie waren zwölf Jahre alt, als die Reaktorkatastrophe passierte. Woran erinnern Sie sich?

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