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Schriftstellerin im Libanon : Vom Ausbruch aus der gehemmten Gesellschaft

  • -Aktualisiert am

Die libanesische Autorin Chaza Charafeddine in ihrem Garten in Beirut Bild: Maria Klenner

Sie ist im Libanon geboren und kam als junge Frau nach Deutschland. Im Jahr 2007 entschied sie sich in ihre Heimat zurückzukehren. Eine Begegnung mit der Autorin Chaza Charafeddine.

          5 Min.

          Vor ein paar Monaten hat Chaza Charafeddine ein neues Atelier gefunden. Es liegt im Erdgeschoss eines dieser traditionellen Häuser, die im Land selten geworden sind. Die Räume sind sehr hoch, der Salon ist riesig und geht in einen Wintergarten über, von dem aus eine zugewucherte Treppe in einen Garten mit Brunnen führt. Alte Bäume, ein Holztisch, grüner Tee. Alles sieht aus, wie Chaza Charafeddine es beschrieben hat in ihrem Buch „Beirut für wilde Mädchen“, das gerade in Deutschland erschienen ist. Sie habe, heißt es darin, als Kind stets ein und dasselbe Bild gemalt: ein Haus mit einem Baum und einem Brunnen. Sie habe die Hälfte ihres Lebens in Europa verbracht, aber nirgends solche Häuser gesehen wie die von ihr als Kind gemalten. Nun sitzt de siebenundfünfzigjährige Künstlerin und Schriftstellerin hier und blickt sich um. „Was für ein Glück!“

          Lena Bopp
          (lbo.), Feuilleton

          Es käme ihr jetzt nicht mehr in den Sinn, den Libanon zu verlassen, obgleich viel passiert ist, seitdem sie erst vor einem guten halben Jahr die letzten Sätze für die deutsche Ausgabe von „Beirut für wilde Mädchen“ verfasst hat, die so düster klingen, dass man fürchten musste, Chaza Charafeddine würde sich von der Welle der Auswanderer mitreißen lassen. Doch nach der Explosion im Hafen und besonders der Ermordung des Intellektuellen Lokman Slim ist sie entschiedener als zuvor. Es gebe zwei Möglichkeiten, sagt sie. Entweder man gehe. „Oder man bleibt und wird Zeuge. Ich habe nicht Lokmans Brillanz, seine Kenntnisse, seinen Mut. Aber ich kann schreiben, zeichnen und fotografieren. Solange es geht, bleibe ich.“

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