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Neue Storys von Emma Cline : Warum diese Typen so sind

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Die kalifornische Schriftstellerin Emma Cline Bild: Ricky Said

Die Manson-Sekte lieferte Emma Cline den Stoff für ihr Romandebüt „The Girls“. In ihrem neuen Buch „Daddy“ geht es wieder um privilegierte Männer mit toxischen Manieren. Ein Gespräch über MeToo, den Klimawandel und die Sehnsucht nach Familienidylle.

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          Emma Cline war Mitte zwanzig, als ihr Debütroman große Aufmerksamkeit auf sich zog: „The Girls“ erzählte von einem Kult im Stil der Manson-Family und von einem Mädchenleben, das in der Hitze eines kalifornischen Sommers aus den Fugen gerät. Unter der flirrenden Oberfläche lugte ein größeres Thema hervor: das Formen weiblicher Identität in einer Männerwelt. Angeblich hatte Cline dafür einen Vorschuss von zwei Millionen Dollar bekommen – entsprechend groß fiel das Interesse an ihrer Person aus. Dann nahm der Hype eine unerwartete Wendung. Ein früherer Partner behauptete, Cline habe Ideen bei ihm abgeguckt, drohte, intime Fotos zu veröffentlichen, und engagierte die Anwälte von Harvey Weinstein. Obwohl ein Gericht die Behauptungen als haltlos abwies, lag eine düstere Ironie in der Tatsache, dass eine Autorin, die so erfolgreich über Machtgefälle geschrieben hatte, ausgerechnet auf diese Art angegangen wurde. Nun, knapp vier Jahre später, erscheint Clines zweites Buch. Die Geschichten in „Daddy“ sind bevölkert von in Ungnade gefallenen Chefredakteuren, abgeschriebenen Regisseuren und übergriffigen Fernsehköchen. Erfolgstypen, die stets im Licht standen und nun verblüfft feststellen, wie sehr sich die Spielregeln geändert haben. Die wenigen Frauen kommen aber kaum besser weg – ein ziemlich pessimistisches, sehr gutes Gegenwartstableau. Emma Cline, die gänzlich unpessimistisch wirkt, schaltet sich aus ihrem Wohnzimmer in Silver Lake zum Gespräch ein. An der Wand hängt ein Druck der Fotografin Emily Keegin. Es zeigt einen Oberschenkel mit einem fetten blauen Fleck drauf.

          Viele Geschichten in „Daddy“ handeln von privilegierten Männern mit toxischen Manieren. Wieso knöpfen Sie sich diese Zeitgenossen vor?

          Sie haben eine verdrehte Weltsicht, was sehr unterhaltsam sein kann. Menschen, die sich schlecht benehmen, sind aus literarischer Sicht reizvoll. Mich interessieren Machtdynamiken. Und es kann etwas sehr Befreiendes darin liegen, als junge Frau aus der Sicht dieser skrupellosen Typen zu schreiben.

          Sie haben einmal gesagt, als Kultur müssten wir ständig deuten, was mächtige Männer denken.

          Schon allein den letzten vier Jahren, als wir es in den Staaten mit einem bösartigen Narzissten als Präsident zu tun hatten. Die Psychose einer einzigen Person kann viel Schaden anrichten. Und im Zuge der MeToo-Bewegung haben wir gesehen, wie ganze Organisationen wegen der Taten einzelner Männer zerbröckelt sind. Dann kommen viele Menschen herbei und versuchen, den Schlamassel zu beheben. Und zu erklären, wie all das passieren konnte. Das soll natürlich nicht heißen, dass Frauen kategorisch die besseren Menschen sind.

          Keiner Ihrer Protagonisten versteht sich als Übeltäter. Was steckt hinter der Neigung, sich selbst in die Tasche zu lügen?

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