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Sci-Fi-Autor Pierce Brown : „Ich war ständig ein Außenseiter“

Pierce Brown ist 28 Jahre alt, lebt in Los Angeles und hat mit der „Red Rising“-Reihe sein Autorendebüt gegeben. Bild: Joyce Downing

Der Autor Pierce Brown hat die spektakuläre Science-Fiction-Reihe „Red Rising“ geschrieben. Im Gespräch erklärt er, was sie mit Antigone und „Star Wars“ zu tun hat.

          Der amerikanische Autor Pierce Brown hat ein grandioses Science-Fiction-Epos geschrieben. Drei Teile umfasst seine  „Red Rising“-Reihe, sie alle sind in den Vereinigten Staaten Bestseller - der dritte Band erklomm sogar Platz 1 der renommierten Rangliste der New York Times. In Deutschland erscheint das Buch am 12. September im Heyne-Verlag.

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          In der düsteren Red-Rising-Zukunft haben die Menschen das Sonnensystem besiedelt; technologisch und medizinisch ist beinahe alles möglich. Die Gesellschaft ist ein grausames Klassensystem mit strenger Hierarchie, an der Spitze stehen die „Goldenen“, sie herrschen - ganz unten befinden sich die „Roten“. Darrow, der Protagonist und Ich-Erzähler, ist einer von ihnen. Einzelne Motive in den Büchern erinnern an „Star Wars“ oder den „Herr der Ringe“. Wir haben den erst 28 Jahren alten Autor zu seinem Debüt befragt.

          Pierce Brown, wenn Sie Darrow, den Helden der Reihe, jemanden vorstellen sollten, der keine einzige Zeile der Bücher gelesen hat - wie würden Sie das tun?

          Ich würde demjenigen vier Espresso zu trinken geben, dann einen frechen Klaps ins Gesicht, und dann sagen: „Diese Erregung, die Sie jetzt gerade fühlen...das ist der Pulsschlag von Darrow.“ Er ist ein Mann, der Frieden wollte, aber Krieg bekam - und sich selbst als schrecklich begabt darin wiederfand. Er ist eine sanfte Seele im Krieg mit einem aufgebrachten Herzen.

          Wenn Sie die ganze Trilogie in einem Satz zusammenfassen müssten, wie würde er lauten?

          Red Rising ist eine epische Science-Fiction-Saga darüber, wie Unterdrückung überwunden wird ohne sich auf diesem Weg selbst zu verlieren.

          Was wäre Satz zwei?

          Im Grunde ist Red Rising eine Geschichte über einen jungen Mann, der einen Krieg führt für die Liebe.

          Sie sagten einmal, dass Antigone Ihr liebstes griechisches Drama ist und Red Rising inspirierte. Wieso?

          Antigone ist ein junges Mädchen, das der kalten Macht von Autorität trotzt. Diese Botschaft fand ihr Zuhause in Eo (eine wichtige Person in Red Rising, Anm. d. Red.). Was ich aber machen wollte in Red Rising, ist jene Welt aufzuschließen, die Antigone/Eo hinterlassen haben. Was für einen Mann würde sie geliebt haben, was würde ihr Vermächtnis sein?

          Der „Rote Planet“ ist wichtigster Schauplatz in Red Rising. Die Menschen haben ihn längst besiedelt. Ob sie das jemals tun, wer weiß. Im Jahr 1980, als die Nasa-Sonde Viking Orbiter ihn so fotografierte, war sie jedenfalls noch viel weiter weg davon als heute. Bilderstrecke

          Gibt es auch Science-Fiction-Geschichten, die Ihnen dabei halfen, Ihre Ideen zu entwickeln?

          „Dune“ (Der Wüstenplanet) und Robert Heinlein sind die größten Einflüsse auf Red Rising, dicht gefolgt von „Star Wars“, „Battle Royale“ und „Ender's Game“. Allerdings lassen sich viele Science-Fiction-Bücher von denselben ursprünglichen Einflüssen inspirieren wie ich: Western-Mythologie, der Artus-Sage, griechischen Dramen. Es gibt ein großes Reservoir an Literatur und Mythen, die Inspiration für alle modernen Autoren sind. Wenn es um „Red Rising“ geht, kann die größte Parallele übrigens vielleicht in „Der Graf von Monte Christo“ gefunden werden. Darrow's Reise spiegelt sehr eng die des Edmond Dantes, obwohl Darrow zu anderen Schlussfolgerungen gelangt.

          Wie Mythen wirken und konstruiert sind, darüber hat der amerikanische Wissenschaftler Joseph Campbell das schon im Jahr 1949 erschienene Standardwerk „Der Heros in tausend Gestalten“ geschrieben. Campbell vergleicht darin Mythen auf der ganzen Welt miteinander und findet heraus, dass sie trotz der vielen verschiedenen konkreten Handlungen und Hauptpersonen doch über einen ähnlichen Aufbau verfügen. „Star Wars“-Erfinder George Lucas hatte das Buch für seine Saga ein weiteres Mal zur Hand genommen. Andere Filme wie etwa die „Matrix“-Reihe oder die „Herr der Ringe“-Filme lassen sich ebenfalls so rekonstruieren.

          Haben Sie „Der Heros in Tausend Gestalten“ gelesen?

          Ja, vor einer langen Zeit, als ich an der Pepperdine University studierte.

          Befindet sich Ihr Protagonist Darrow auf eine ähnlichen Heldenreise wie der, auf die zum Beispiel George Lucas Luke Skywalker schickt?

          In gewisser Weise, ja. Aber ich glaube wirklich, dass sich seine Reise viel mehr mit der von Edmond Dantes deckt. Darrow ist weniger widerwillig als Luke. Er ringt ständig mit der Idee, Rache zu nehmen und ist ein viel dunklerer Charakter als der traditionelle Western-Held - vor allem, weil er moralische Kompromisse schließen muss, um seine Ziele zu erreichen.

          Welche Leserschaft stellen Sie sich für die Reihe vor? - Ihr Schriftstellerkollege Terry Brooks findet, dass es ganz klar keine Jugendbücher sind.

          Ich glaube nicht, dass sie leicht in eine Klassifizierung fällt. Es ist Science Fiction, aber es liest sich wie Fantasy. Es gibt einen 16 Jahre alten Hauptdarsteller und die Handlungsgeschwindigkeit ist sehr schnell, aber die Themen beinhalten Politik, Krieg - es könnte sowohl denjenigen gefallen, die „Game of Thrones“ lesen als auch denjenigen, die „Tribute von Panem“ mögen.

          Sind Sie ein Autor, der eine Botschaft verbreiten möchte?

          Ich möchte, dass die Bücher für sich selbst sprechen. Nichtsdestoweniger glaube ich an die einzigartige Macht des Einzelnen, ein Betreiber des Wandels zu sein. Ich hoffe, dass „Red Rising“ diejenigen dazu befähigt, die es lesen.

          Was war die erste Science-Fiction-Geschichte, die Sie fasziniert hat?

          „Dune“. Das öffnete mir die Augen und ließ mich erkennen, wie mächtig Mythen in einem Science-Fiction-Setting sind. Es ist eine unglaubliche Geschichte über ein indigenes Volk, das das Joch seiner Unterdrücker abschüttelt und sein Schicksal in die eigenen Hände nimmt. Es war absolut magisch, das als Kind herauszufinden.

          Haben Sie ein Vorbild?

          Meinen Vater. Ich habe nie einen besseren Mann getroffen.

          Gibt es eigentlich etwas an Ihnen, das den Weg in Ihre Hauptfigur Darrow gefunden hat?

          Darrow ist wie ein Fisch außerhalb des Wassers. Er entstammt einer Sklaven-Klasse und schaffte es, in die Eliten seiner Gesellschaft einzudringen. Ich lebte in acht Staaten. Ich war ständig ein Außenseiter, der versuchte in neue soziale Gruppen zu gelangen. Viele meiner Erfahrungen darüber, soziale Hürden zu überwinden, fanden ihren Weg in „Red Rising“.

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