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Ausstellung zu E.T.A. Hoffmann : Ist er echt, der Trompeter?

Kupferstich nach einem verschollenen Selbstporträt E.T.A. Hoffmanns Bild: Staatsbibliothek Bamberg

Er war nie in Frankfurt und gab der Stadt trotzdem ein literarisches Gesicht: Das Deutsche Romantik-Museum in Frankfurt feiert den Dichter E.T.A. Hoffmann.

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          Drei Herren kommen hinter dem Theater zusammen. Sie achten weder auf den Löwen, der das Treiben auf dem Platz beobachtet, noch auf den Theaterintendanten Brühl, der drei unterwürfige Dichter empfängt, nicht auf den Baron Fouqué, der in seiner Pferdekutsche heranrauscht, auch nicht auf den Herrn Kunz aus Bamberg, der im Gasthaus eine umfangreiche Weinkarte studiert, und schon gar nicht auf den Mann mit der scharf geschnittenen Nase, der von seinem Fenster aus alles registriert, um es zu zeichnen.

          Tilman Spreckelsen
          Redakteur im Feuilleton.

          Was aber haben sich die drei Herren zu sagen, der dicke Bernhardi, der in die Jahre gekommene Ludwig Tieck und der schlanke Brentano? Tieck und Bernhardi hätten über Tiecks Schwester Sophie sprechen können, Bernhardis geschiedene Frau, Tieck und Brentano über ihren Verleger Friedrich Wilmans. Und alle drei über den Mann mit der Adlernase am Fenster, der gerade dabei ist, sie unsterblich zu machen, mit all den anderen auf dem Gendarmenmarkt in Berlin.

          Den „Kunzischen Riss“ von 1815, eine Zeichnung E.T.A. Hoffmanns, auf der er seine Umgebung festhält und zwischen realen Personen und Phantasiegestalten nicht unterscheiden mag, gibt es nicht mehr, wir kennen ihn nur von Reproduktionen. Präsent ist er aber mehr denn je, kein besseres Buch über Hoffmann, keine Ausstellung wird auf ihn verzichten, auch nicht die „Unheimlich Fantastisch“ getaufte, die zum zweihundertsten Todestag Hoffmanns in diesem Jahr in Bamberg und Berlin zu sehen war und von heute an in Frankfurt gezeigt wird.

          Hoffmann’sche Miniatur: Könnte das Clemens Brentano sein?
          Hoffmann’sche Miniatur: Könnte das Clemens Brentano sein? : Bild: Staatsbibliothek Bamberg

          Dabei setzt jede Station nicht nur eigene Akzente, allein die sehr unterschiedlichen Räume, die in der Berliner und der Bamberger Staatsbibliothek sowie im Deutschen Romantik-Museum in Frankfurt dafür zur Verfügung stehen, lassen die teils identischen Exponate und ähnlichen Stationen völlig anders wirken. In Berlin folgte Raum auf Raum in einer Reihe mit schmalen Übergängen, die ihrerseits deutlich als solche wahrnehmbar waren und die Stationen voneinander trennten. In Bamberg bildeten zwei abgedunkelte Räume voller Originale eine Art Schatzkammer.

          In Frankfurt setzt der erst kürzlich eingeweihte Ernst Max von Grunelius-Saal nicht nur das einleuchtende Konzept der Dauerausstellung fort, indem die Stationen, getrennt nur durch lange Stoffbahnen, fließend ineinander übergehen und es dem Besucher überlassen, eine Reihenfolge zu finden. Auch zwei Stationen, in denen Hoffmann in der oberen Etage eine Rolle spielt, werden im Keller aufgegriffen – Hoffmann als Interpret Beethovens, den er in einem berühmt gewordenen Aufsatz zum Romantiker erklärt, und vor allem als Autor von „Meister Floh“, einem Text, den er in Frankfurt ansiedelt, obwohl er die Stadt nie besuchte, und bei besagtem Frankfurter Verleger Wilmans erscheinen lässt.

          Hoffmanns alter Ego: Der Kapellmeister Kreisler im Wahnsinn
          Hoffmanns alter Ego: Der Kapellmeister Kreisler im Wahnsinn : Bild: Sammlung Archiv für Kunst und Geschichte, Berlin

          Reich ist die Ausstellung an Exponaten, die Hoffmanns Wirken in den unterschiedlichsten Disziplinen beleuchten bis hin zu einem Musikautomaten in Trompetergestalt. Reich und überraschend sind auch die Stationen, die hier neu integriert wurden, zum sonst oft übersehenen Wilmans, der eine eigene Kabinettausstellung wert wäre, oder, vielleicht am überraschendsten, zum „versteckten Werkdialog“ zwischen Hoffmann und dem Frankfurter Clemens Brentano, mit dem er in Berlin verkehrte und den er womöglich auf jener winzigen, praktisch unbekannten Zeichnung darstellte, die hier zu sehen ist. Man sollte sie nicht verpassen. Und alles Übrige auch nicht.

          Unheimlich Fantastisch – E.T.A. Hoffmann 2022. Deutsches Romantik-Museum, Frankfurt; bis zum 12. Februar. Der Katalog kostet 34 Euro.

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